Viech

 Nein – das Romanschreiben ist keine schwere Geburt. Als Mann sollte man den Vergleich sowieso nicht gedankenlos raushauen. Man sollt schon wissen, wovon man redet.
Was ich allerdings sagen kann: Es ist eine ausfüllende Tätigkeit. Gefüllt bist du mit Wörtern und Sätzen und Pipapo, so dass reales Leben sich hinten anstellen muss, in der Schlange. Ums tierisch auszudrücken: Höhlenbär statt Partylöwe.
Nachdem der neue Fall vom Sandner „Fuchsteufelswild“ jetzt zu Datei gebracht ist –wird zumindest im Hirnstüberl wieder eine Ecke frei, für alternatives Gedankengut.

Zum Beispiel Gedanken über Viecher. Macht man sich immer wieder mal gern – dazu musst du kein Jäger, Hühnerfabrikbesitzer oder nackerter Antipelzdemonstrant sein. Der ein oder andere hat sogar einen vierbeinigen, sechsbeinigen oder multipel-flossigen Mitbewohner –  die mikroskopisch-kleinen Wesen nicht mitgezählt. (Ob man z.B. die Hausstaubmilbe oder diverse Mottenarten noch unter dem Begriff Haustier subsumieren kann, ist ja weniger eine biologische, denn philosophische Frage)

Wie ich so im Ammertal herumstrawanzt bin – die Gegend um Bad Kohlgrub spielt ja im neuen Roman eine nicht unwesentliche Rolle – hat ein Gastronom mir erzählt, dass unser einheimischer Reinecke Fuchs auch vor einem emigrierten Nandu in doppelter Fuchsgröße nicht Halt gemacht hat. Ins Freigehege geschlichen, Kopf abgebissen und fertig. Hunger kennt kein Gebot. Von wegen: Was ich nicht kenn, das fress ich nicht.“
Der Fuchs an sich scheint ein aufgeschlossener Gourmet zu sein. Wird für die Fleischfresser ja immer wichtiger.
Zum Beispiel wird ein Grauhörnchen nicht viel anders schmecken, als das knuffige, rötliche Eichhörnchen mit den Puschelöhrchen. Das gibt’s wahrscheinlich in absehbarer Zukunft nur noch als Plüscherinnerung beim Spielwarentandler. Dafür kommt amerikanische Importware für die Beutegreifer auf den Teller, respektive ins Maul.
Was sie uns von drüben schicken ist ja per se erst einmal brennend interessant. England haben die Grauen schon okkupiert, Italien ist die nächste Station auf dem Weg zur Hörnchen-Weltherrschaft bevor sie über die Alpen ziehen werden.  Man kann nur hoffen dass die Grauen ihre überlegene Größe und Stärke keiner genetischen Manipulation verdanken. Mit ihren Rindviechern kennen die Amis da ja auch kein Pardon.
Und a pro Pos Importware – der depperte chinesische Marienkäferwird hoffentlich bei den Insektenvertilgern  auf die Tageskarte gesetzt. Das narrische Tier macht es sich nämlich leicht – es frisst alles zam. Bei den Weinreben hört allerdings für mich der Spaß auf. (da beschleicht mich der paranoide Gedanke, die gepunkteten Fresssäcke sind eingeschleust worden, damit man am Ende chinesischen Wein saufen muss)

Wir Homo sapiens scheinen nicht ganz so innovativ zu sein, bezüglich Nahrungsaufnahme.  Wie die Schimmelpilze machen sich Futterkrippen breit,  die schmissigen Namen auf der Verpackung sorgen für die Unterscheidung – ausgepackt findet man die gleichen Ingredienzien, nur einmal rechtsherum gerührt, einmal links – oder bloß in Öl geschüttelt. Mahlzeit. Ein Getränk dazu?
Ob die Gleichmacherei in uns steckt, wär die Frage. Vielleicht ist das ein hirnorganischer Airbag. Da bist du auf sicherem Geläuf, wenn du einen Vergleich hast. Es schmeckt nicht ungewöhnlich, also scheint es nicht ungenießbar zu sein – zumindest haut es dich nicht augenblicklich vom Stangerl. Alles hat seine Zeit. Beruhigendes, sedierendes Futter für den Geschmackssinn – gustatorisches Überbleibsel aus der Steinzeit, wahrscheinlich.
Irgendwohin muss man eben alles ordnen und verknüpfen. So scheint das eingerichtet im Hirn, da lauert der Bürokratismus in jeder Windung. Sauber beschriftet wie die Marmeladegläser im Kellerregal. Aber, wie im wahren Leben ist das eh vergebene Mühe (den Tesafilm findest du auch nie, wenn du ihn grad brauchst).

Praktisch ist das allerdings fürs Verkäufertum, wenn die Leut dem inneren Drang nachgeben, das Bekannte zu hofieren – ob sie wollen oder nicht. Die Kleinwagen zum Beispiel haben ja alle kugelrunde Glubschbeleuchtung wegen dem Kaufanreiz durch Kindchenschemata. Wahrscheinlich kannst du bald Betreuungsgeld beantragen, wenn du dir ein motorisiertes Zwergerl zulegst. Das hätte, wirtschaftlich und lobbyistisch besehen, für die politischen Geldgurus, (dem Kindchenschemata optisch ja auch noch nicht entwachsen), einen äußerst selbst – befriedigenden Ansatz.
Farbkombinationen sollen freundliche Assoziationen schaffen, Hit-Schreiberlinge verwenden immer dieselben Pling-Plang-Tonfolgen, Pheromonduftwasser sollen die Madln anlocken, wie die liebestrunkenen Motten. Die Werbefuzzis  erforschen bereits in Freilandversuchen, wie sie Babys im Mutterleib günstig prägen können, aufs eigene Fress-Produkt. (Da überfallen mich urplötzlich bizarre Ideen, bezüglich Hörbuchs…)
Irgendjemand scheint allerweil die Fernbedienung in der Hand zu halten, wenn du voller Entdeckerstolz glaubst, dich ganz eigenständig an etwas zu erfreuen. Neues zu entdecken wird einem nicht leicht gemacht, außer du findest zufällig ein verirrtes Elementarteilchen, wie du wieder mal auf der Suche nach dem Tesa bist. Da scheint das Hirn festgefahren im Wiederholungssumpf.
(Ein hoffnungsvoller Ansatz: Man frisst  chinesische Marienkäfer. Das wär erstens innovativ – zum Beispiel als kulinarischer Farbtupfer statt den Kapern auf der Pizza – und zweitens immens nützlich)

Ich könnte das Gscheithaferl geben und behaupten, dass sind evolutionäre Gedankenergüsse –  wenn man beim Tier anfängt und bei der Krone der Schöpfung endet  – aber letzten Endes kommt der Mensch ja meistens auch nur als getuntes Viech daher.
Um wieder beim Fuchs aus dem Ammertal zu landen – der wird auch weiterhin ums Mäusemenü nicht drumrum kommen – aber er scheint allzeit bereit, sich dem Unbekannten zuzuwenden. Da scheißt der sich nix. Insofern wär das vielleicht schon ein exemplarisches Viech (seine  reißerischen Ernährungsgewohnheiten mal beiseite gelassen).

Veröffentlicht unter Tierisches | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Fuchsteufelswild

Demnächst mehr über den zweiten vogelwilden Fall vom Sandner Josef. Mit dem verbring ich grad meine Zeit. Es ist eine innige Beziehung. Ich steh mit ihm auf und darf mit ihm ins Bett gehen.

So schauts aus 😉

(und natürlich:  Ja zum Urheberrecht!)

Veröffentlicht unter aus dem Leben | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Auf Reisen

Dorf!nfo schreibt zur: Lesung in Sundern   🙂

Hat großen Spaß gemacht im Hofcafe in Sundern zu lesen (mein Navi hat mich glücklicherweise ohne Murren und Zicken zur beschaulichen Örtlichkeit hingeleitet)

Der Milchkaffee war erstklassig, die Atmosphäre stimmig  und die Leut einfach sympathisch

Was will man mehr?

Veröffentlicht unter aus dem Leben | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

wortbewegend

Kleine Hilfestellung für die Abendgestaltung am Samstag (28.4.):
Hörgang / Textpassagen in Haidhausen 

Spannende Abenteuerspielplätze für Wörter – zum Austoben

Ich freu mich drauf, dabei zu sein

Veröffentlicht unter aus dem Leben | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Rätselhaftes München

Für meinen neuen Roman hab ich eine kleine Ortsbegehung unternommen.
Für alle, die jetzt schon wissen wollen, welche Ecke Münchens eine Rolle spielen wird, hier ein beeindruckender Anhaltspunkt:

 

 

 

 

 

 

Veröffentlicht unter aus dem Leben | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Lied & Leid

Wenn ich behaupten würde die folgende Idee wär auf meinem Mist gewachsen, wär es dreist gelogen. Das Copyright gebürt einem Leser von „Der Sandner und die Ringgeister“, der sich Gedanken gemacht hat, wie denn wohl ein Soundtrack zum Buch aussehen täte. Ich hab also ein wenig gebrütet und versucht die Frage zu beantworten.
Eigentlich eine schicke Idee. Überhaupt wär es schon innovativ, wenn man zum Gedruckten ab und an die passende Musik serviert bekäme. (Wenn es nicht grad ein Sperrholzmöbelkatalog sein muss)
Beim Hauptkommissar Sandner spielt das Musikalische ja eine große Rolle. Erstens kommt sein Faible nicht zu kurz und zweitens sind sowohl tote als auch lebendige Musiker – wenn man so will – thematisch inkludiert.
Einige der folgenden Songs werden auch im Roman erwähnt/quasi gespielt.
Hier wär er also, der (ultimative)  Soundtrack  zum Buch „Der Sandner und die Ringgeister 😉

Blues Brothers —Rawhide
Billie Hollyday –Summertime
John Lee Hooker — It serves me right to suffer
Tom Waits —Dirt in the ground
In extremo —Über den Wolken
Arno –Marie tu m`as
John Lee hooker —one bourbon one scotch, one beer
Charlotte Gainsbourg —Memoir
Haindling —Rote Haar
Rolling Stones — little red rooster
Nick Cave — Into my arms
Kofelgschroa — Sog ned
Tom Waits — Rain Dogs
Next Stop Horizon — Wild Escape
Westbrucks Marching Songs

gute Unterhaltung

Veröffentlicht unter Musik | Verschlagwortet mit , , , , , | 1 Kommentar

Stammhirn Shuffle

Die Wissenschaft hat sich ja schon beizeiten auf den Weg gemacht, dass Geheimnis von Musik zu erklären. Ein steiniger Weg. Weil das Hirn ja ein faszinierender Apparat ist, den bekommst du selbst als chinesischer Fabrikant nicht mir nichts dir nichts kopiert.
Da ist zum Beispiel vom Nucleus accumbens und vom mesolimbischen System die Rede, die bei den Süchten und Belohnung mitspielen.
Wenn du das als Musiker  aufdröseln könntest, würd dir das Volk die Füße abbusseln.
Es gibt Situationen, z.B. im Wiesnzelt, da kommt einem der Verdacht, jemand hätte den Dreh raus, mittels primitiven Tonfolgen über das Hirn zu herrschen, weil die Euphorie gar so erruptiv und erschreckend umher geistert.
Wahrscheinlich ist  da das Reptilienhirn im Einsatz. Dieses Stammhirn reagiert ja auf Geräusche, Geplärr und Gestampfe genau wie vor zweihunderttausend Jahren.
Du entwickelst ein Erregungspotential ob du magst oder nicht. Da fragt dich keiner.
Aber die Natur kennt keine billigen  Tricks, das ist alles Premiumklasse.
Jeder Wagner -Enthusiast tät vehement bestreiten, dass seine Empfindungen identisch sind mit denen eines Primatenforschers im Dschungel, vor dem sich grad ein Silberrücken in Pose wirft und auf die Brust trommelt.
Da bleiben Fragen offen, aber bei guter Musik kann’s letztlich wurscht sein, welches kleine Männchen im Hirn den Taktstock schwingt und ob es einen Frack anhat.
Eine Möglichkeit dem Schädelinhalt die Arbeit zu versüßen – und das wär jetzt ein musikalischer Tip –  oder ein wissenschaftlicher Feldversuch – sind Kofelgschroa. Bayrisch kommen die daher, unbändig und „vogelwuid“ spielen sie auf. Lebendigkeit pur. Wer die Gelegenheit hat, sich die live anzuschauen, sollt sie nicht verpassen.
Im Sinne der Erprobung suchtauslösender Faktoren, Gruß an Nucleus, – weil diese Art ehrlicher Musik will man sich immer wieder geben.
Vielleicht hätten sie da schon vor zweihunderttausend Jahren ihren Spass dran gehabt – weil ein gutes Gefühl scheint doch eine lange Geschichte zu haben.

Veröffentlicht unter Musik | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Bücher fressen Zweitausendzwölf

Eigentlich ist der Januar ein denkbar ungeeigneter Monat um den Jahresbeginn zu zelebrieren, wenn du nicht das Glück hast als Polarfuchs oder Schneehase dein Dasein zu fristen.  (Bei bevorstehender Wiedergeburt sollte man das unbedingt im Hinterkopf behalten). Das Wetter kommt so grau und greislich daher, dass du nach der Sonne im Herzen kramen musst, damit es überhaupt hell und warm wird im Stüberl.
Aber natürlich: Carpe diem, das Glas ist halb voll, träume nicht dein Leben … und pipapo. Weisheitsschwanger wie allerweil, der Jahresbeginn.
Neben der Eignung zur Besinnung und Beschaulichkeit bringt das frisch geschlüpfte Jahr die Zeit mit sich, in aller Ruhe das ein oder andere Buch zu verschlingen.
Zum Verschlingen, quasi zum Fressen ohne Besteck eignet sich nicht jeder Wälzer. Da brauchst du handliches Format gepaart mit schmackhaft, scharf -gewürzten Zeilen.
„Pageturner“ sagt dazu die anglizistisch beschlagene Koryphäe, wobei das schon hyperaktiv gehetzt in den Ohren klingt,  atemlos, hopp – hopp, auf gehts, nächste Seite – fast ein bisschen Fastfood. So ein Quickie ist ja nicht immer die Erfüllung – nicht einmal im zapfigen Winter.

Wenn man auf Texte nicht verzichten will – jeder hat ja so seine Lesegewohnheiten – aber darüber hinaus nach visueller Stimulanz giert, eignet sich besonders die Graphic Novel.
Vielschichtiges Genre, wobei es mir Art Spiegelmans „The wild party“ vor kurzem besonders  angetan hat. Der Spiegelmann, Schöpfer der grandiosen „Maus“ Comics, hat sich  einen lyrischen Text von Joseph Moncure March aus den Zwanzigern vorgeknöpft – die  vogelwuide Schilderung einer ernüchternden Halbwelt -Party Orgie, die in ihrer drastischen Deutlichkeit wahrscheinlich dem Bildungsbürger vor neunzig Jahren die Ohren durch glühende Kohlen ersetzt hat – neben der bigott – schwelenden Faszination am obszönen Treiben. Umgangssprachlich, roh und derb, „jazzy and sexy“,  in passenden Farben gepinselt – zumindest in der Originalfassung. (Die deutsche Übersetzung ist leider etwas schwach auf der Brust)
Dazu die Zeichnungen von Spiegelmann, reduziert auf das Wesentliche, stimmungsvoll, zupackend – kein hastiger Buchhappen, eher zum Genießen – und das Auge isst fasziniert mit.
Zumindest hat mich das Büchlein angestupst und gehaucht: „ Gib dir doch hin und wieder einen Bissen Lyrik.“
Wenn mir der Appetit danach steht, greif ich gern zu Dylan Thomas (Lesetipp: Alles was von ihm gedruckt und erhältlich ist)  und Charles Bukowski (Lesetipp: „Flinke Killer“ mit stimmigen Illustrationen von Janosch)  – beeindruckend, wie laut Gedichte längst Gestorbener ihre Lebendigkeit herausbrüllen  können – die Reime gehämmert in glühender Esse einer gewaltig -monströsen Lebensschmiede – oder so ähnlich 😉
Der Vorteil von guter Dichtung liegt ja in ihrer Beschränkung auf die Essenz. Das beinhaltet eine Zeitersparnis, so als wenn du dir die Nüsse nicht erst in Handarbeit mühsam aufknacken musst, um an den Kern zu kommen – quasi Studentenfutter.
In ähnlicher Form findet man das ja ab und an bei der Kurzgeschichte. Zu meiner Neujahrslektüre gehört die Anthologie Seelenmusik. Die ist von der Sabine Finzel und der Carmen Mayer herausgegeben und darin finden sich unterhaltsame, aufwühlende und kluge Storys unterschiedlichster Schreiberlinge. Bestes Gourmet- Futter.

Oft wird man ja von einer Legion um Aufmerksamkeit heischender Druckwerke am Schlafittchen gepackt, die im Chor brüllt: „Verschling mich gefälligst, du Kulturbanause!“ Schlimmstenfalls würde man es tatsächlich bereuen, dem nicht nachzukommen – aber in Zweitausendzwölf gibt’s ja wieder mal genug Raum für beste Vorsätze.
Neben denen soll das frische Jahr  natürlich auch noch „Sätze“ daherbringen, weil das „Vor“ ja wie beim Spiel nur ein Auftakt ist.
Für alle die den „Sandner und die Ringgeister“ mit Gusto gefressen haben, (ja, und für alle anderen selbstredend auch) sei vermerkt, dass ich derweil über dem nächsten Roman sitz (garantiert kein Lyrikband) , wobei jetzt die Witterung, mit ihrer bärig – kalten Mahnung zur Häuslichkeit,  schon wieder ihr Gutes hat.
Dass mit dem Sitzen ist in diesem Fall nicht wörtlich zu nehmen.
Wissbegierige Leut hinterfragen ja oft einen Autoren in Gänze. Um die Frage nach meinem Arbeitsplatz erschöpfend zu klären, anbei ein kleines optisches Schmankerl. (Da hab ich mich wohl von den Graphic Novels beeinflussen lassen.)


Hier spielt sich der schreibende Alltag vom Roland Krause ab. Ein Schreibtisch wird überschätzt. Es gibt kaum etwas, dass Professionalität so überzeugend vorgaukeln kann, ausser vielleicht dem ein oder anderen gefakten Doktorat.

Ob nun mit oder ohne Kanapee, ob sibirischer Eisfischer  oder Heliosjünger, allen wünsch ich ein neues Jahr, dass etwas besonderes für sie in sich trägt. Rauskitzeln muss man es ja eh allerweil selbst – womit auch ich noch eine zünftige Weisheit nausgehauen hab. Hilft ja nix, muss halt!

Veröffentlicht unter Literarisches | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Ochs und Esel

aus aktuellem Anlass – eine Kneipen -Wein8s -Miniatur:

Ochs und Esel

Franz nimmt einen tiefen Schluck vom Bier und schaut sich um, die Lippen noch schaumweiß. Zusammengekniffen hat er die Augen, als hätt er die Brille vergessen.
Am Tresen geht’s eng zu, der Laden brummt.
„Weißt du, sagt er zu seinem Nebenmann, „am heiligen Abend sollt eigentlich keine Kneipe offen haben.“
„Was?“ Der Bernhard schaut ihn verdutzt an.
Seit einer Stunde sitzen sie jetzt schon da, das dritte Bier mittlerweile. Gleich nach dem Franz war der Bernhard gekommen, sie haben sich nicht extra verabreden müssen.
Ungeschriebenes Gesetz.
Rausgeputzt hatte sich da Keiner, nicht mal für das Besondere am Abend. Da zieht sich niemand ein Hemd an, bindet sich den Schlips und wienert sich die Schuhe, wenn er einen heben geht, am Eck.
Unrasiert ist er, der Bernhard, die schwielige, breite Hand ums Glas, als müsst er sich dran festhalten. Vielleicht muss er das, oder sie tät‘ ihm unnütz vorkommen, so ohne was fest zu packen.
„Und wo sollten die Leut dann hin?“, will er wissen.
Er weist mit der Hand in die Runde.
Gemischt ist es hier, wobei die Mittvierziger die Mehrheit stellen. Irgendwo lacht jemand rau, nahtlos geht das über in einen veritablen Hustenanfall. Der lacht keine Tränen, sondern bronchitischen Auswurf.
„Ich mein das so ganz allgemein“, sagt der Franz laut ins Husten hinein. „Die Leut würden sich besinnen, verstehst du.“
„Aha, besinnen.“
Der Bernhard versteht es noch nicht, aber er hört aufmerksam zu.
„Ja, die müssten sich überlegen, was sie dann machen, verstehst, damit sie nicht einfach da hocken.“
„Was würdest jetzt du zum Beispiel da machen?“
„Ganz allgemein, vielleicht bei der Verwandtschaft oder in die Kirch gehen, mit den Lieben feiern. Über seinen Schatten springen.“
Der ist nicht groß, beim Franz, er ist ein dürrer, sehniger.
„Aha, meinst du?“ Den Bernhard hat er noch nicht überzeugt.
„Ja genau, da wär‘ praktisch ein Zwang, dieses Jahr packen wir es, bevor es uns die Luft endgültig abschnürt, oder man sich bloß noch am Friedhof über den Weg läuft.“
Bernhard nickt kurz und trinkt. Langsam wischt er sich über den Mund, zweimal.
„In China,“ sagt er dann nachdenklich. „In China geht das Weihnachten ihnen dermaßen am Arsch vorbei. Da leben Millionen, nein Milliarden von Chinesen – und Weihnachten? Wurscht. Oder in Indien, das Gleiche – auch wurscht.“
„Da schau halt bei uns, brauchst nicht nach China, den Moslem interessiert des auch nicht.“
„Vielleicht wär’s besser, man wär‘ ein Chinese oder Moslem, dann hätt‘ man seine Ruh davon, müsst sich keine rührseeligen Gedanken machen“
„Ach was, dann hättest du einen Ramadan, vergiss das nicht, da darfst du wochenlang nicht gescheit essen.“
Ah geh,  wir haben doch auch eine Fastenzeit gehabt und freitags Fisch. Meine Großmutter noch – Freitag immer Mehlspeise oder Fisch. Meistens einen Kaiserschmarrn, aber denn hat sie machen können, wie keine zweite. Zugeschlagen haben wir Kinder, schüsselweise, bis zum Platzen, mit Zimt und Zucker.“
„Weißt du, die Mönche früher, die haben einen Biber gefressen, weil der im Wasser lebt, also quasi Fisch.“

Die feste, umtriebige Bedienung kommt heran und stellt zwei frische Halbe auf den Tresen. „Wohl bekomms!“
„Sag einmal, Carola“, fragt sie der Franz, „würdest du einen Biber fressen?“
„Na wem es schmeckt, aber die sehen schon greislig aus. Ich war mit meinem Kleinen unlängst im Wildtierpark, in Poing. Diese langen Schwänze, wie eine schwimmende Ratte, und wie sie da rumwerkeln.“
„Was du da angeschaut hast, das waren die Nutria, die Wasserratzn, da haben sie früher feine Pelze gemacht draus, und Krägen für den Winter.“
„Ich glaub, geschmacklich tät das keinen großen Unterschied machen, zwischen den Beiden“, sagt der Bernhard. „Bist du jetzt unter die Zoologen gegangen oder hat deine Großmutter einen Rattenpelz umgehabt, zum Ausgehen?“

Die Frau schaut von einem zum anderen, zuckt die Achseln dreht sich weg. Irgendjemand ruft ihren Namen und sie schiebt sich durch die Leute, wie ein Eisbrecher durchs Packeis.

„Die Tiere …“, setzt der Franz an.
„Sag jetzt bloß nicht den Viechern ist Weihnachten auch Wurscht. Vergiss aber den Ochs und den Esel dabei nicht.“
Bernhard lacht sein knurrendes Lachen.
„Ich glaub, des sind schon mir beide, der Ochs und der Esel.“
„Prost Ochs“, sagt der Bernhard und stößt sein Glas gegen das vom Franz. Sie setzen an und schlucken lange. Unbeweglich, bis auf den Kehlkopf, wie Statuen.
Grübelnd starren beide dann auf den kleinen, verblichenen Plastikweihnachtsbaum vor dem Fenster mit der flackernden, bunten Lichterkette.
„Eigentlich ist es wurscht wo du bist, Hauptsache noch nicht in der Grube“, sagt der Franz schließlich.
„Das ist völlig wurscht wo du bist“, bestätigt der Bernhard, „aber es ist nicht wurscht, mit wem du wo bist.“

Veröffentlicht unter aus dem Leben | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar

Ausgefuchst

  Wenn du ein Romanautor bist, musst du ein Fuchs sein, ein schlauer, gewiefter.
Den die Schlingen sind schon ausgelegt und ruckzuck bist du aufgekragelt.
An jenem denkwürdigen Tag, wenn dein Buch (dein Baby) beim Buchhändler liegt, geht die Sonne am Morgen genauso auf, wie an jedem anderen Tag. Das ignorante Stück will kein bisschen heller strahlen. Und weder Maya – Kalender noch Nostradamus haben sich um den Tag geschehrt oder die Menschheit angemessen darauf vorbereitet.
Und plötzlich füllt sich dir der Schädel, wie mit heißem Teer –  Verkaufszahlen, Rankings und Klicks, Buchbesprechungen und Pipapo, alles könnt allerweil besser, schneller, anders und weiß der Kuckuck sein. Und nix daneben scheint Platz haben zu dürfen – alles reserviert. Sogar der depperte Neid will mitmischen –  zum Beispiel auf das Bücherl, dass du nach zehn Seiten weggehauen hast, weil es für dich ein grandioser Schund ist. Aber das verkauft sich wie Zahnpasta – scheinbar eine zwangsläufige Notwendigkeit halt.
Jetzt gehts ums Fell.
Und wie ist es mit dem Geschichten erzählen?
Deswegen schreib ich ja, weil das grandios ist – ich es nicht anders kann und will – und – wenn  einer (eine) meint, das war eine packende Geschichte vom Krause, dann ist das allerweil ein Scheit für mein Feuer.
Und für mich und die eine (den einen) kann ich erzählen, da ist kein Raum im Schädel für fünfhunderttausend, sonst würd mich die Gier umtreiben und der Spass sich derweil ein anderes, gemütlicheres Platzerl suchen.
Weil – vielleicht  bin ich nur ein Geschichtenerzähler, in anderen Zeiten hättest du mich vielleicht am Marktplatz finden können, mit einem wackligen Klapphocker unterm Hintern.
Und das ist das Faszinierende dran – aber hackeln muss ich, um ein Fuchs zu bleiben, weil es verlockend ist, der Köder ist ein fetter Bissen – und wenn der Magen knurrt, kriegst du schon mal unbändig Lust einfach zuzupacken.
Wem das jetzt zu pathetisch daherkommt  – nur zur Beruhigung: korrumpierbar bin ich allemal  😉

Veröffentlicht unter aus dem Leben | Verschlagwortet mit , , , , , , | 1 Kommentar