Münchner Impress-Ionen vom nackten Affen

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Quelle

„Ionen“ – das hab ich mir just angegoogelt – kommt ja aus dem Griechischen und bezieht sich auf gehen. Was ganz gut passt. Ich bin gern in der Stadt unterwegs, lass mich treiben und überraschen, bevorzugt nächtens, wenngleich es im Tageslicht auch unterhaltsam und verblüffend sein kann.
Neulich hat sich dabei ein Radler vor mir bekreuzigt. Einfach so. Es war wohl Lieferant irgendeiner Pizzaklitsche und mit rotem Firmen-Drahtesel unterwegs.
Als er mich gewahr wird, reißt er die Glubscher auf und schlägt das amtliche Kreuzzeichen.
Mag sein, dass ich gerade ein wenig düster dreingeschaut habe, und meine Seele mag gewiß voller dunkler Flecken sein, aber für den Antichristen gehalten zu werden, war eine neue Erfahrung. Vielleicht wars auch gegenteilig gemeint und er hielt mich für eine Erscheinung. Ich habs überprüft – keine Stigmata, kein Strahlenkranz, keine Flügel. Auch schade.
Alternativ könnte er mich mit einem Inkasso-Fingerbrecher verwechselt haben, dem er noch eine Schuld begleichen sollte. Gezahlt hat sie leider nix, die Memme, sich nur flott davongemacht.

In dieser Hinsicht ist die Stadt eindrucksvoll. Du bekommst jede Spielart menschlichen und unmenschlichen Verhaltens vorgesetzt, und brauchst dazu nicht getarnt, gegen die Windrichtung, tagelang hinter einem Busch ausharren, wie es Primatenkundler anderswo tun.

A pro Pos Primat. Wenn du kein Kreationist bist, hast du dich ja mit dem Gedanken angefreundet, dass der Affe ein entfernter Vetter ist (welchen Grades auch immer). Spannende Vergleiche hat der Zoologe Desmond Morris einst in seinen Bücherl „Der nackte Affe“ angestellt. Immer noch lesenwert.

(Das Bild links ist einem historischen Nachschlagewerk entnommen, in dem die Trennung zwischen Affe und Mensch nicht so genau genommen wurde)

Beobachtest du beispielsweise die geschickten haarigen Gesellen in Delhi oder Bangalore, stellst du dir schon die Frage, ob die Rhesusaffen nicht längst eine höhere Entwicklungsstufe erklommen haben. Das sind die wahren Überlebenskünstler der Stadt. Da knurrt keinem der Magen, die werden nicht entmietet, die stehen nie im Stau oder zerknautscht-schwitzend im Bus, brauchen kein Tinder um sich zu vergnügen und scheinen weder Burn – noch Bore out zu kennen. Und von Altersarmut oder Modediktat keine Spur. (So weit meine Beobachtungen diese Schlüsse zulassen)

Und wenn du dir an einer verkehrschaotischen Kreuzung in München die Füße in den Bauch stehst und die Blechbüchsen zähflüssig an dir vorbeistromen, scheint es so, als seien wir unseren undankbaren Bau-Molochen weit weniger gewachsen. Irgendwann einmal sind sie hochgezogen worden, damit die Leut komod leben können. Frommer Wunsch. Das haben wir scheinbar hinter uns gelassen.

Beschwingt über die Dächer kraxeln, beim Viktualienmarkt leckere Früchte mitgehen lassen, und sonst das Fell in der Sonne wärmen, wär doch nicht das Schlechteste. Läuse hin oder her, die zupft dir die Nachbarin mit Begeisterung zärtlich aus der Wolle. Vereinsamung ist jedenfalls kein Thema und Anbahnung scheint in jeglicher Hinsicht wenig komplex.

Was du in den angestrengten Mienen der Vorüberhastenden lesen kannst, ist oft eher Kampf denn High-Life. So, als wär man ständig im Überlebensmodus und einmal nicht aufgepasst – schwupps – die Stadt hat dich fertig gemacht, die Runde wieder mal gewonnen und tanzt auf.

Okay.  Ich hör schon die ersten murren, dann ab mit dir zurück in die Steinzeit.
Na ja, ist es undenkbar, Blinddarm OPs, Klospülung und Running Sushi zu bekommen, ohne einen Thermomix dazu, Computerviren, Fernbedienungen mit siebenundachtzig Funktionen, die keine Sau braucht und Straßen kurz vorm Infarkt? Fortschritt und Fortschritt sind halt zweierlei.
Sorry, kleiner Anflug von Naivität. Keine Sorge, ist nicht ansteckend.

Als Habitat ist München jedenfalls bestens für zwei und vierbeinige Viecher aller Art geeignet. Du findest massig Wildtiere, gefiedert und bepelzt, nicht nur in den Isarauen. (Von Hunden ganz zu schweigen, die werden eh die Stadt übernehmen, sobald sie sich in der Überzahl wähnen)
Es mag mich täuschen, aber  die Viecher wirken entspannter, als die menschlichen Mitbewohner, obwohl sie seltener eine Bierflasche zwischen den Pfoten haben.
Nichts desdo Trotz möcht ich mit keinem Eichhörnchen und keiner Ratz tauschen, obwohl es vielleicht gut täte, die Stadt wäre en Gros a bisserl bewohnbarer. Beschauliche oder spannende Flecken findest du trotzdem zuhauf, an denen du die Stadt genießen und inhalieren kannst und Exitement bietet sie auf jeden Fall in alle Richtungen, wenn du dich drauf einlassen magst.

Fort wir schreiten. Genug gelaufen.

Will man in der City kuschligen Kontakt zum Mitmenschen, ihn erschnuppern, spüren, sich an ihm reiben, quasi Haut an Haut, auf engstem Raum – klar, dann könnte man in einen angesagten Club oder zur Ü30, respektive Afterwork-Party – alternativ bietet sich ein Trip mit der U-Bahn an. Am besten zur Messezeit.
„Wenn wir an der Macht sind, dann werdets ihr schon sehng!“, hat letztlich ein Mitfünfziger in betagter Gewandung uns Mitreisenden mit erhobenem Zeigefinger in der U2 angekündigt. Wer „wir“ und „ihr“ spielen sollte/musste, war nicht ganz eindeutig. Das Artikulieren und der sichere Stand  haben ihm sichtlich Mühe bereitet.
Einheimische reagieren darauf meist stoisch. Jeder darf postulieren was er mag, solang er dir nicht an die Wäsche geht, gelebte Meinungsfreiheit in den öffentlichen Verkehrsmitteln.
„Möge die Macht mit dir sein“, hat ein zartes Stimmchen gefiept, vielleicht Obi-Wan Kenobi, jedenfalls ein ländlich Zugereister. Jeder native Städter wüsste, das es ein Fehler ist, solcherart miteilsame Gesellen durch Repliken zu ermuntern. Das kann zu einem regressiven Sprechdurchfall führen.

Mehr als ein „da werds schauen! Ihr könnts nur unser Geld einschieben!“, kam aber nicht zurück. Argumentativ dünnes Eis. Das wird ja immer denen vorgehalten, die eh auf Naht genäht sind und „unserer Geld“ nur anschauen, aber nicht anfassen dürfen.
„Ah geh, du Aff!“, rief schließlich eine ältere Dame neben ihm entnervt, allem äußerem Anschein nach wohlsituiert und verschwenderisch mit „unserem Geld“ ausgestattet.

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Da schließt sich der Kreis. Nein, das war eine Fehleinschätzung. Ein Affe war das definitiv nicht. Eher einer von denjenigen Gestalten, die gern als abgehängt bezeichnet werden, von der Stadt und dem Dasein durchgekaut und ausgespuckt. Keine Macht würde das je für ihn verändern, wurscht wer was zu sagen, respektive zu befehlen hätte. Da wär ich pessimistisch, es sei denn, eine höhere Instanz mischt mit, falls der Mann einem Glauben anhinge, der postmortal Gewinn abwirft.
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Resümierend betrachtet: So etwas würde einem „Aff“ mit der Stadt nicht passieren. Den könntest du daran erkennen, dass er sich nicht (r)unterkriegen lässt, hoch oben über den Dächern.

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…was es über Sex zu schreiben gibt…

„Seine feingliedrigen Finger berührten ihre (…), es durchzuckte sie wie ein Blitz.“
Fortsetzung gefällig? Wer jemals von einem Blitz „durchzuckt“, alternativ „durchfahren“ wurde, der hat meist zwei Brandlöcher in den Schuhsohlen oder wird von den biegsamen Häärchen eines Besens berührt, mittels dem eine arme Haut das Aschehäufchen zusammenkehren muss. Aber das nur nebenbei. Gelesen hab ich das vor kurzem, nebst der ganzen Litanei aus „wild klopfendem Herzen“ und „heißem Schauer.“ Die Buchempfehlung lass ich da mal beiseite.

Fgreenleischliche Begierden sind ein rutschiges Pflaster. Literarisch betrachtet liegt man schneller auf der Nase, denn zwischen seidigen Laken.
(Das Adjektiv „schlüpfrig“ sollte generell ein No-go sein, wenn es nicht um Seife geht)
Mal kommt der erotische Erguss banal daher und ist gespickt mit Geselchtem von der Fleischtheke samt fettigen Floskeln, mal vorhersehbar, als gynäkologisches Bulletin oder so, als würden die Protagonisten in vertikaler Stellung ihre Steuererklärung beackern.
Was im wahren Leben berauschendes Vergnügen ist, kann für den duldsamen Leser Bestrafung und Pein bedeuten.

Lies das und leide!
Selbst jene, deren geschundene Haut sich nach Buße sehnt, schämen sich fremd, wenn beim Soft-SM-Epos die Baumarktutensilien hervorgekramt werden. Anregende Fantasie? Lass stecken Karl-Heinz. Dein Weibchen träumt sicher nicht davon, dass du die Kabelbindernummer im Doppelbett mit der Biberbettwäsche durchexerzierst. Es sei denn, du mutierst zum Millionär mit Waschbrettbauch.
Zustimmender Kommentar: „Oh bitte, ja!“, seufzte Laura erregt.
Dass „drastisch“ einhergehen kann mit drastischer Langeweile wird jeder/jede bestätigen, die/der sich in diesem Zusammenhang mal durch einen Monolog über Hämhorrieden gearbeitet hat oder den Wetterbericht nächtlicher Leibesverrenkungen: Hitzewellen, Blitze, Lawinen, Stürme, Brisen, Wellen, Fluten und Schauer, die abwechselnd verglühen, zum Erzittern bringen, schmelzen, hinweg reißen und erbeben lassen. Liest sich, als fände Hieronymus Boschs Armageddon ins Schlafzimmer statt.
Solcherart „ungeschminkte“ Werke werden ja gern als tabulos etikettiert, obwohl bereits etruskische Fresken prickelnderes zu bieten hatten. (Wer die Gelegenheit hat, sollte die studieren – hat was)

Aber – und dieses ABER ist ein Fettes, es gab und gibt Autoren, die in der Lage sind die fleischliche Vereinigung so facettenreich ablaufen zu lassen, dass beim Leser das Gähnen unterbleibt. Entscheidend scheint die Mischung an Beiläufigkeit, Überraschung und Glaubwürdigkeit, gepaart mit spielerisch-ausufernder Kreativität zu sein.

Zwecks geistigen Erbauung gibts exemplarisch meine kleine subjektive Auswahl aus alledem, was zwischen Buchdeckel passt und dem Krause gerade in den Sinn kommt. Bei diesen Autoren scheinen Lust und Begehren in der Story kein Selbstzweck zu sein und sie kommen, lässig eingebettet in eine solide Handlung, nicht billig und abgegriffen daher. Das mag das Geheimnis zu sein. Kein Hexenwerk. Das happy Ending ist dabei aber nicht garantiert.

Philip Roth („Sabbaths Theater, Das sterbende Tier“)
Philip Roths Texte sind – für mich – einmalig. Er schaffte es, Begehren und Gelüste bildhaft überzeugend und ohne Pathos in Worte zu kleiden – schonungslos, und doch mit Witz. Er legt sie bloß, wie ein Archäologe die Geheimnisse alter Zeit. Mal Hacke und Schaufel, mal feinster Pinsel.

Hubert Selby („Der Dämon, Letzte Ausfahrt Brooklyn“)
Selby inszeniert atmosphärisch stringente, rohe Settings. Man inhaliert die ganze krude und gefährliche Mixtur, welche die blanken Existenzen seiner Protagonisten ausschwitzen und auskeuchen. Er seziert sie gnadenlos. Die geballte Ladung Hoffnungslosigkeit sollte man jedoch aushalten wollen.

Nicholson Baker (Die Fermate, Haus der Löcher)
Treffend in Szene gesetzte lustbestimmte Momente in originellen, schrägen Geschichten. Schwülstigkeit und Trallala findet sich woanders. Wer sich drauf einlässt, kann sich bestens amüsieren.

Charles Bukowski (Kaputt in der City, Flinke Killer)
Neben Poesie, Essays und jeder Menge Working-Class Geschichten, viel Rein und Raus. Was sonst ist zu bekommen, wenn dir nichts bleibt als Überlebenskampf, Verzweiflung und Suff? Derb und billig, roh und schlicht – wie die Gestalten, um die sich seine Erzählungen ranken. Eingleisig manchmal. Authentisch immer.
(Mit „Bring me your love“ ist einst eine Story erschienen, mit Zeichnungen von Mr. Crump, auch Janosch und M. Schultheiss haben illustriert für „the dirty old man“).

Paul Theroux (Hotel Honolulu, Der Fremde im Palazzo d’Oro)
Ein Beispiel, dass es keiner gekünstelten Szenerie oder Manege bedarf, um den Handelnden das angedeihen zu lassen, was schlicht zu ihrem Dasein gehört. Ein passabler F… dann und wann. Lakonisch zwar und doch scharf- und hintersinnig.

Jacques Chessex (Der Schädel des Marquis de Sade)
Nur die Harten kommen in den Garten.
Derb, sprachgewaltig, schräg und kräftig morbid. Wer nicht zurückscheut, wird unterhalten.

Noch ein Wort zum berüchtigten Marquis: Geschichten wie „die 120 Tage von Sodom“ zu lesen, kann erhellend sein, falls jemand die passende Grundstimmung mitbringt. Einfallsreich war er auf seine Art, schockierend heutzutage kaum mehr. Ermüdend mit Tendenz zu Wiederholungsschleifen. Meist sind die „literarischen“ Erwartungen seiner Leser an die Texte zu hoch. Kurzweiligere Unterhaltung zum „Subject“ böte da „die Geschichte der O“ von Anne Cécile Desclos.

Elfriede Jelinek (Die Klavierspielerin, Lust)
Lese und lerne E. L. James! Wobei die Leserkreise wohl nur eine begrenzte Schnittmenge haben. Jelinek kann dich in ihren Bann ziehen.

Haruki Murakami (Südlich der Grenze, westlich der Sonne)
Eintauchen und gefangen werden. Die Welt von Murakami ist eine eigene, mystisch sinnliche. Überfliegen funktioniert nicht und das ist gut so.

Alfred Döblin (Berlin Alexanderplatz)
Nein – kein erotisches Feuerwerk, das „Fleischliche“ wird beiläufig erwähnt, wie Fressen und Saufen, es wird gemunkelt, getuschelt und angedeutet, so unverfälscht, dass du dem Protagonisten unter die Haut schlüpfst. By the way, Döblin ist einer meiner literarischen Helden, sodass er hier nicht fehlen darf. Einfach mal so.

Henry Miller (Opus pistorum, Wendekreis des Krebses)
Muss man nicht viel sagen, hat diesen manisch erzählerischen Drive, der einen fesselt, auch wenn es die Kiste manchmal aus der Kurve haut. Seine Partnerin Anäis Nin hat mit „Das Delta der Venus“ und „Verborgene Früchte“ erotische Erzählungen veröffentlicht, die zu Klassiker gezählt werden – kann man mögen, muss man nicht. Kategorie: „Salz auf unserer Haut.“

Francais Villon (Das große und das kleine Testament, Balladen und lasterhafte Lieder)
Was mach der denn hier? Man könnte ihn den Bukowski des Spätmittelalters nennen. Der Mann lebte das, was er schrieb. Er fand seinen Stoff auf den Märkten, in den Spelunken in finsteren Gassen und Gossen, dort wo auch er zuhause war. Und das fleischliche findet seinen Platz, musste seinen Platz finden. Laster? Vielleicht.
By the way, kleiner narzisstischer Einschub: Mein Erzählband trägt den Titel „Hurenballade“ als Reminiszenz an ihn. Weil es auch Stories über die Leut auf der schrägen Seite sind, auf die sich Villon verdammt gut verstand. Die Lust war im Mittelalter nicht anders unterwegs und der Mann hatte es drauf, sie zu schildern. Ich schätze ihn sehr.

Und wer findet, dass generell zu viel Blabla um die Sache gemacht wird, für den wäre folgendes eine Option:

Horst Haack (Nathalie)
Eine Beschreibung gestaltet sich vertrackt. Nennen wir es textbegleitete Illustrationen oder schlicht Kunst. Skurril, abgefahren, voller Fantasie und staunenswert zeichnerisch umgesetzer Assoziationen. Vielleicht sind es Träume, bzw. das Ergebnis von LSD Rausch oder Jahrzehnte langer Psychoanalyse, who knows. Jedenfalls menschliche Körper oder exponierte Einzelheiten, abgefahrene Texte, so wie sie noch nie ver-staltet worden sind. Betrachtens- und lesenswert für experimentell angehauchte Gemüter, deren Hirnschmalz gern auf Reisen geht.

Tomi Ungerer (Erotoscope, The Party)
…und noch einmal Bilder die Geschichten erzählen, vom Altmeister. Radikal und mit Hang zum Obszönen, Zynischen und Entlarvenden. So hätte das Ergebnis vielleicht auch aussehen können, falls Egon Schiele auf Wilhelm Busch getroffen wäre.

Tom Poulton (The secret art of an englisch gentleman).
Dicke Lippe, in Farbe, an Deutlichkeit mangelt es nicht, a bisserl überquellend und vordergründig, kein doppelter Boden. Hat zu Lebzeiten keiner von ihm gedacht…

 

Je nach Vorliebe ließen sich die Beispiele von sinnlich bis drastisch natürlich stapeln bis unters Dach. Aber falls wer selbst gern mit feingliedrigen oder sonst wie gestalteten Fingern in die Tastatur haut und Texte verfasst, respektive bebildert, könnte das eine Anregung sein, sich am Begehren zu probieren. Es kommt halt, wie im richtigen Leben auf das „Wie“ an. Wenn nix mehr hilft, kann man immer noch aus dem Fenster schauen und das Wetter beobachten. Vielleicht ballt sich grad was zusammen – stürmisch wird es werden, der erste Blitz zuckt schon. Wer weiß, wen er durchfährt.

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Verwichtete Zeiten

Mutter Erde scheint der komplizierteste Ort im Universum zu sein. Digitale Herumwandlerei, feinstaubiges Röcheln, du wirst geframt, gehatet, gestalkt, „gerated“ und bespitzelt, obskure Digital-Gesetze werden beschlossen und wenn du Pech hast, ist noch der Abfluss verstopft und die Espressobohnen sind alle.
Da stellt sich die Frage, ob die 470 Grad Celsius auf der Venus das kleinere Übel wären, falls man Sonnencreme dabei hat und einen großzügig geshakten „Planters Punch“ im gekühlten Glas.
Mars oder Mond bieten selbstredend keine Alternative, da haben gewiss die Immobilien Hedge Fonds zugeschlagen, mittlerweile hat ja gefühlt jedes Land, außer Tonga, seine Frames abgesteckt und die hauseigene Staatsflagge flattern lassen. (Flattern? Ich gestehe, von den Windbedingungen vor Ort hab ich null Ahnung – da gibts bestimmt eine kluge Meterologie-App).
Doch eigentlich braucht man nicht seine sieben x sieben Sachen zu packen, vielleicht reichts den Stecker zu ziehen.

Frei nach Meister Yoda: „Tu was oder lass es, aber grübel dir nicht umsonst die Birne heiß, junger Padawan.“

Den Tag könnte man sich leichter versauen. Es gibt massig Erklärungsmodelle von Soziologen, Philosophen oder alternativen Geistesgrößen, aber letztendlich erscheint es mir, als würde man beständig gepiesackt und penetriert mit schrägen News, Halbwahrheiten und Ereignissen, als gäbe man die Voodoopuppe einer rheumathischen Welt.
Dann begegnet dir die eine Gattung Homo Sapiens, die dem Fatalismus huldigt, als wärs die seligmachende Religion. Und die anderen ballen mit finsterer Mine die Fäuste in den Hosentaschen und setzen dir einen Haufen Frust nach dem anderen auf die frisch gewienerten Schuhe, als wären sie Nachbars Lumpi und du dessen Lieblingsbaum.

Ich glaub allerdings, wer beständig sein Hirn„im großen Stil“ martert, dem geht eine Menge Augenblicke durch die Lappen. Die Besten.

Gerade hab ich zum Beispiel mal wieder in William Kotzwinkles „Mitternachtspost“ gschmökert. Was für ein genial verrücktes Buch, so kann man sich auch mit dem Medium Zeitung beschäftigen. Wenn man es abgefahren mag. Tipp am Rande – einfach lesen! William Kotzwinkle steht für `ne geballte Ladung an überdehter, fantasysprühender Schreiberei, wer sich davon einen Schuss gibt, dem zaubert es garantiert ein Lächeln auf die Lippen. Für weiterführende Literaturkritik bin ich nicht geeignet respektive nicht darauf geeicht. (Ich halte mich lieber auf der anderen Seite auf) Es fesselt oder eben nicht – das ist meine Messlatte, was zählt ist auf dem Platz.

Und als ich den Buchdeckel geschlossen habe, war da ein gutes Gefühl und eine Gewissheit. Yes, verdammt, es wird packende Musik komponiert, fantastischer Stoff geschrieben, erstklassiger Wein gekeltert, leckerstes Futter zubereitet, und um den Pathos auf die Spitze zu treiben – es gibt den Moment, wo nichts bedeutsamer ist, als warme, weiche Haut und ein entrückter Ausdruck im Gesicht deines Gegenübers.

Dann schert das „große ganze Chaos“ nicht die Bohne und das „große Ganze“ hat sich auch noch nie darum geschert, wohin ich meine Gedanken lenke – falls man das nicht Gedankenlosigkeit nennt. Man könnte diesen Zustand mit „mentaler Schwerelosigkeit“ umschreiben. Die physische wird ja überschätzt.
Hat aber nix mit Meditation zu tun und nein, ich hefte mir keine „Memento mori“ Postkarten an den Kühlschrank mit Sandstrand und Venusmuschel im Hintergrund. „Achtsamkeit“ gehört, (der, die oder das ein oder andere mags bedauern), auch nicht zu meinem Standartvokabular.

Ich denk mir aber, wenn sich das Weltgeschehen samt durchgeknallten Protagonisten unablässig als pöbelnder Gast im Hirnstüberl einnistet, macht das nichts besser und ändert null. Im Gegenteil, es lähmt und geht auf den Wecker. (Es soll ja Menschen geben, die halten „Twittern“ immer noch für aktives Handeln – ist die Steigerung von Wichtigtuer eigentlich Wichtigstuer oder schlicht „der Wicht“?)
(Nicht verwandt und verschwägert mit der mythologischen Figur des Wichts bzw. Wichtels, der ich hiermit nicht zu nahe treten will!)
Das Schlimmste was man grandiosen Narzissten samt ihren Narrenrudeln aus Claqueuren antun kann, ist Nichtbeachtung. Erste Regel sollte sein: Kein Nichtsnutz soll meine Zeit nutzen respektive ver-nichten. (Verwichten?) Also was tun?
Es bringt (mir) zum Beispiel mehr Spaß, auf dem Balkon eine Pflanze hinzutopfen, und mich am Grün zu freuen, als mich über vertrocknete Gestalten aufzuregen, die aktuell mit dem Menetekel der Öko-Diktatur hausieren gehen. (Vielleicht sollt ich mein Weidenpalmkätzchen ab jetzt Dolferl oder Augusto nennen)
Freilich sollte man selbst der hauseigenen selbstgerechten Empörung mit Misstrauen begegnen, die haut dir meistens nur den Blutdruck in die Höhe – und fruchtbarer Diskurs schreibt sich anders, zum Wachsen und Erblühen bringst du damit nix.

Aber zurück zu den „analogen“ ergreifbaren Dingen. Sie nicht aus dem Sinn zu verlieren und genießen zu können, das ist für mich ultimative Kunst – und wenn mich etwas (oder noch besser „wer“) berührt, reizt und ich was erleben kann, dann pfeif ich auf all die digitalen Vernebler, die mir die Sicht aufs Echte nehmen wollen. Und ja, es gibt sie, die Momente, von denen du weißt, jetzt möchtest du nirgendwo anders sein und nix anderes wäre vorstellbar. Mag sein, darum gehts, after all – zumindest in der heutigen Krauseschen „Montagspredigt“.

By the way – wer wissen will, wann vom Krause mal wieder Neues erscheint, dem sei hiermit geholfen. Im November. Dass ich dafür schon Tag um Tag im Tonstudio „gefristet“ habe, sei nur nebenbei erwähnt. Eine niegelnagelneue, spannende Geschichte wird es sein– sechs aufregende Lesestunden für  geneigte Ohren.
Bis dahin wird ein bisserl Zeit verstreichen. Wobei das Wörtchen „verstreichen“, wenn man drüber nachdenkt, besser passt, falls man im Regen auf den Bus harrt.

Ich wünsch allen Zeit, die sich hinkuschelt und dableibt, sich kraulen lässt und schnurrt wie eine Katz auf der Couch – oder was immer zum Platz auf der Couch samt Kraulen gut harmoniert.
Das ist ähnlich, wie mit dem Hirnschmalz. Man hat ihn, oder wähnt sich zumindest in dessen Besitz – nur, was man alles damit anfangen könnte, das ist eine ganz andere Story.

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Freier Tag

Dass ich kein junger „Spring-ins -Feld“ bin, wird mir besonders deutlich des Morgens vor Augen geführt, wenn ichs wieder mal übertrieben hab mit der Lebendigkeit. Da spürst du jedes Jahr in den Gliedern, als wär dein Gerippe ein Kalender. Aber wenn schon nicht körperlich adolesezent, kann man sich zumindest auf eine geistige Zeitreise begeben und sich solidarisieren mit dem Jungvolk.

Zum Beispiel macht es fuchsig, das sich da just ein paar junge Menschen vor Gericht verantworten müssen, wegen schwerem Diebstahl, weil sie sich aus der Discountertonne bedient und die weggeworfenen Lebensmittel geschnappt haben. Weil, wo kämen wir hin, wenn das jeder täte? Sich satt essen ohne Rechtsgrundlage liegt offenbar nahe beim Bankraub. Spinn den Gedanken mal weiter. Am Ende stünde die Erkenntnis, dass wir die Fressalien, die sie in die Tonne kloppen, fleißig mitbezahlen. Das ist beim Gewinn einkalkuliert. Ich kauf also einen Joghurt und zahl den für die Tonne mit, weils eh wurscht ist. Eigentlich müsste da wer anders vor Gericht stehen. Die Verursacher des ganzen überflüssigen Lebensmittelmülls, den man nicht einmal ungestraft fressen darf.

Ja und ich zieh den Hut vor Menschen, die das nicht hinnehmen wollen. Respekt!

Apropos hinnehmen. Da wagen es doch Schüler am Freitag vormittag zu demonstrieren. Die Lauser. Tausende. Weil sie feststellen, dass gute Zeugnisse nicht mal als Scheißhauspapier taugen, wenn dir der Planet um die Ohren fliegt. Und all jene die jetzt mit strenger Bestrafung und Schulpflicht daherkommen, denen tropft die Scheinheiligkeit aus allen Poren. Weils denen einzig darum geht, dass die jungen Menschen eine andere Ansicht vertreten als sie. Natürlich werden sie als unreif, ahnungslos, indoktriniert, manipuliert und schlicht gaga abgeurteilt, weils ja nicht sein kann, dass eine konträre Meinung sich auf Fakten und Forschungen beziehen kann. Da muss Schluß sein mit der Meinungsfreiheit. Büffeln sollen die Fratzen und nicht den Mund aufmachen.

Das ist eh „gegen jeden Menschenverstand“ wie es ein klassisches Beispiel des berechnenden Manipulators zu sagen pflegt. (Der hat sich allerdings im Tal der Ahunugslosen bestimmt ein Grundstück reserviert)

Aber warum nicht mal stolz sein auf die Kids und dankbar, statt immer den Besserwisser zu geben. Natürlich wird der Protest ignoriert, sagt uns unser altersweiser Zynismus, weil wir uns eingerichtet haben in der „da kann man eh nichts ändern Blase.“

Aber mir soll keiner kommen, der aus seinem Fernsehsessel heraus das jugendliche Engagement belächelt, in Frage stellt und sich höhnisch aufplustert. Einfach die Gosche halten.

Ob richtig oder falsch, die Protestierenden machen sich jedenfalls andere Gedanken als übers neue Auto und ob des Nachbars Hecke sieben Zentimeter zu hoch ist. Und sie fangen auch nicht an herum zu pöbeln und darüber zu lamentieren, wer zur Hölle wieder mal an ihrem persönlichen Dilemma Schuld trüge.

Und ja, sie haben zurecht das Vertrauen in uns Ältere verloren. Das Vertrauen darauf, wir fänden Lösungen, wir wären an einer halbwegs passablen Zukunft interessiert und an einem bewohnbaren Planeten für alle Wesen. Ganz zu schweigen davon, dass wir dafür etwas riskieren und kämpfen würden.

Und nein, sie sind nicht naiv. Sie schauen aufs „Morgen“, während ihre fantasielosen Kritiker sich vergeblich das vermoderte „Gestern“ zurück wünschen. Letztendlich sind wir naiv, zu glauben dass das, was wir gelernt haben und mit der Muttermich aufgesogen, dieses Beharren auf antiquierte „Notwendigkeiten“, die uns von lobbygemästeten Einpeitschern gepredigt werden, existenziell ist. Da wäre jede Menge Raum um Neues zu probieren neben dem Unausweichlichen, dem Alternativlosen, all den depperten Worthülsen die sich über jeden Wiederspruch stülpen wollen.

Und dafür sollte man den Kids applaudieren, sie sind keine Wiederkäuer, sie tragen keine Scheuklappen und gebrauchen ihren eigenen Kopf. Wohin auch immer es führt. Respekt, ich feier das heute – weil Freitag ist.

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Krimitag

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Wer hören will, kann fühlen

armchair-1980308_1920  Weil ich einfach gern Geschichten erzähle, wirds auf „Soundcloud“ demnächst viel mehr davon geben. Wenn man eintauchen mag, kann man ja das prasselnde Feuer im Kamin, den Ledersessel, sowie den guten Roten im Glas dazu imaginieren. (oder alternativ das Hinterzimmer einer Kneipe, lustig, bunt zusammengewürfelte Leut und ein bernsteinfarbener Single Malt)
Den Anfang macht die Story „Juttas Brust“

Ich wünsche gute Unterhaltung

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Schwein haben

 

Frohes neues Jahr!

Wenn so ein überkommenes Jahr nächtens weggefeuert wird, hat man ja oft den Hang und Drang zu Bilanz oder Resümee. Soll oder Haben, auf oder ab, Katz oder Kater – haben sich die nagelneuen Fältchen wenigstens durch rechtschaffen ausschweifenden Lebenswandel eingekerbt, anstatt durch Mühsal und Trübsinn?
Wurscht.
Ist ja alles eine Frage der Perspektive. Statt staunend die brodelnde Welt zu beglotzen, kannst du dir auch ein Bild von Dali oder Bosch vornehmen, etwas Dadaismus von Hugo Ball reinziehen oder all night long Monty Python Filme schauen. Da steckt alles drin, was man braucht.
Nein – der Krause kommt jetzt nicht mit Fatalismus daher, kaum ist 2018 geschlüpft. Manch seniler Kasperl, der sich justamente an die Macht krallt, und das Feuer anschürt, rückt ja, biologisch betrachtet, Tag für Tag der Kompostierung näher. Und außer Asche und einem Wikipedia Eintrag wird da nix übrig bleiben. Wenn man mag, kann man deshalb jedes neue Jahr ein Feuerwerk in den Himmel zaubern.
Früher konnte man, mit etwas Schwein, eine Kariere als Pharao oder Wikinger anstreben. Heutzutage gibt’s ja nix mehr mitzunehmen ins Jenseits. Gold und Schwert werden eh überbewertet. Natürlich könntest du dir zumindest eine Pyramide hinstellen, für die Nachwelt. So einer markanten Hinterlassenschaft des persönlichen Daseins scheint ja eine grundlegende Sehnsucht zu Grunde zu liegen.
Vielleicht ist Instagram deswegen so sexy. Inwieweit Katzenfotos oder fleischbetonende Dessousbildchen zur Unsterblichkeit (zumindest im Netz) führen können, wär noch zu analysieren.
Da scheint mir ein Schreiner, der einen Stuhl zusammenhext, der hundert Jahre lang das beste Platzerl für den Arsch sein wird, eher an der Essenz zu kratzen. Denn das wiederum macht die gute alte Erde zu einem gemütlichen und spannenden Fleck. All die individuellen Dinge, die gerade jetzt hingebungsvoll und prallvoll mit Energie, gehämmert, geschmiedet, erdacht, getextet, gemalt und ausgetüftelt werden – das ist es worauf ich mich im neuen Jahr freu. Und ob dich die wahre Liebe packen wird oder du nur neue Kerben in deinen Colt schnitzen willst – who cares – das Jahr wird’s aufzeigen.
Und ich hab hoffentlich den Übergang gefunden vom melancholischen Blick auf die Endlichkeit, zu dem, was man sich so wünscht im Neuen, en general.
Also lasst euch nicht unterbuttern oder die Butter vom Brot nehmen. Ich glaub, es gibt 2018 viel zu genießen. Möge das Schwein mit euch sein.

 

 

Postskriptum:
By the way – Auf Youtube gibt es einen Zusammenschnitt des Münchner Krimitages vom Dezember: Krimitag 2017
(inkludiert sind meine – geschätzt – fünfeinhalb Sekunden „für die Ewigkeit.“)
Viel Spaß damit

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Lauschen&Lesen

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Die kleine Anregung des Tages:

Wer sich die App „Storyapp“ besorgt, kann sich von mir (und vielen anderen) eine Geschichte vorlesen lassen oder natürlich selbst lesend geniessen – (mit oder ohne die Lippen zu bewegen)

Welche Story? Laßt Euch überraschen

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„Ach, meinst du, ja?“

MalenGleich vorweg, um Enttäuschungen vorzubeugen – diese Zeilen handeln weder von US-Cäsaren noch von Sex. (Die Verbindung beider Themenkomplexe verböte sich selbstredend auch, aus naheliegenden ästhetischen Gründen)
Ich weiß, das schließt schon mal einen großen Leserkreis aus. Sei`s drum.
Bei Schreibern gibt es ja das bekannte Motto „Schreib über das, wovon du Ahnung hast.“ Das ist leider kein Standard für den Alltag. Du findest kaum noch jemanden, der sein universales Meinungsbild nicht allen zur Verfügung stellen will. Meistens ungefragt. Ich wünsch mir ab und an noch Menschen, die sich zu sagen trauen, „davon versteh ich nix.“ Die musst du mit der Lupe suchen.
Heutzutage erzählt dir Jeder und Jede etwas über Wirtschaftswissenschaften, Power-Yoga, Wertewandel, Wertpapiere, Machtverteilung, Klima, Kräuterheilkunde, Sitten und Unsitten ferner Länder – vom nahen Osten (nein, nicht Mecklenburg) reden die Leut, als hätten sie zehn Jahre im Suq ihre Brötchen verdient.
Ein entscheidendes Merkmal des eifernden Meinungs-Logorrhoes ist, dass er hart und unverrückbar daherkommt, wie eingemeißelt für die Ewigkeit. Zweifel oder Argumente prallen ab, wie von – na klar – einer Mauer. (Irgendwann im Text muss ich doch schliesslich eine Mauer einziehen)
Da kommt mir ein Brauch der alten Schweden in den Kopf. Wie die im dreißigjährigen Krieg ihren Schwedentrunk verabreicht haben, also unglücklichen Nichtschweden über einen Trichter den Wanst mit Jauche gefüllt haben, bis zum Platzen. Hatte aber mutmaßlich nichts mit Midsommarfestivitäten zu tun.

Dabei ginge es auch „alternativ“.
Ein viel gelesenes Blatt hat unlängst sinngemäß auf Seite Eins getitelt: „TV Transe verprügelt Boxer nach Sex.“
Das hat mich wirklich mal angesprochen. Ob Wahrheit oder erstunkenes Märchen, davon hätt ich gern mehr gelesen. Und ich denk mir, ja, das sind die wahren Leisten des Schusters, davon verstehen die wirklich was. Mit sex Wörtern die Leute an den Zeitungskiosk locken, ist besser als den Schwedentrunk schöpflöffelweise als misanthropisches Faktensüppchen zu verabreichen, wie es immer mehr Usus wird.
Und so ganz im Ernst – dann stehst du als Schreiber da und machst dir einen Kopf, ob du mittanzt im Narrenreigen, es sogar mit eigenen Argumenten versuchst oder doch besser beim Geschichtenerzählen bleibst. Das sind ja meine „Leisten.“
Wahrscheinlich sollte man nur noch Stories für Kinder erzählen. Weil, wenn ihre elterlichen Vorbilder den Kurzen hierzulande oder sonst wo auf dem Erdenrund nur noch Engstirnigkeit und Feindseligkeit ins Hirn pflanzen, wächst da was Schrumpeliges und Verkümmertes heran, dass, statt zu blühen, gleich verfaulen und verschimmeln wird. Und dann hast du einem Klimawandel der ganz anderen Art, da können die Chinesen mal ausnahmsweise nix dafür.

Und das bringt mich auf die Idee, wie wärs, wenn man heute einfach ein Buch an irgendein Kind verschenkte? Einfach so. Mit bunten Bildern, viel Fantasie und einem tröstlichen Ende. Zum Mitfiebern und zum Freuen, mit oder ohne Worte. Die sind ja nicht immer wichtig. Und auf Hintergedanken wird geschissen, um im historischen Schwedenbild zu bleiben.
Ich mach das heute so, und es wäre genial, wenns sich Nachahmer fänden. Ein Stückerl Unbeschwertheit und Fantasie, das lässt sich problemlos hergeben. Auf geht’s.
Weil, wenn die Schmierereien der greisenhaften Schwarzmaler verblasst sind, wärs doch gut zu wissen, dass die Kids Farben im Gepäck haben, um das Gestrige so was von hinweg zu pinseln.
Wem das jetzt allerdings zuviel in Watte gepacktes Pathos ist – dem kann ich nichts entgegensetzen. Wozu auch Argumente?

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Wein8

Ich wünsch euch allen freundlich-nikowärmende Feiertage, mit angenehmen, kuschelfreudigen Menschen.
Man liest sich im neuen Jahr.

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