Garmischer Krimispektakel

Wer darauf brennt einen literarisch-turbulenten Trip ins Werdenfelser Land zu unternehmen – et voila.

Alles, was dazu fehlt ist:

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Ja, das städtische Leben und Treiben kann faszinieren, aber wenn Du Kraftorte suchst, Gegenden, um aufzutanken und durchzuschnaufen, kommt ein Park oder ein Biergarten arg schmalbrüstig daher gegen urgewaltige Gebirge, rauschende Wasserfälle und tiefgründige Seen.

Ich hab mich nach Garmisch-Partenkirchen aufgemacht und bin schreibenderweise eingetaucht ins beschauliche Oberländer Dasein.

Unbekannt und neu war das für mich nicht (das nur als kleiner autobiographischer Einsprengsel)

Und wer schon mal Zeilen von mir gelesen hat, kann sich ausmalen, dass meine Inspiration nicht nur aus „Idylle“ und „Tradition“ gespeist wird. Es darf schon ein bisserl mehr sein, kriminelle Energie ist überall zu Hause.

„Warum sollte das Verbrechen ausgerechnet um Garmisch-Partenkirchen einen Bogen schlagen? Vielleicht hat es nur Urlaub im wunderschönen Werdenfelser Land machen wollen? Ausspannen vom ständigen Totschlagen und Totgeschlagenwerden in der Großstadt. Wer könnte es ihm verübeln?“

Aus Garmischer Mordstage, Roland Krause, Emons Verlag 2022

Ab heut kann man „Garmischer Mordstage“ erwerben, bestellen, das Buch ins Osternest legen, (macht sich gut neben dem Hasen), es verschlingen, sich und andere damit überraschen oder einfach belohnen. Ganz nach Gusto – ich wünsche jedenfalls maximalen Spaß mit dem Roman.

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Maximal pathetisches Plädoyer für kleine Genüsse

Unlängst hat mich beim fußgängerischen Warten an der Ampel ein älterer Mann angesprochen: „Weißt du, alle meine Kinder haben zwei Beine. Die Enkelkinder auch.“

Ich hab ihn beglückwünscht, wir haben uns zugenickt und gingen unserer Wege. Warum ihm diese Botschaft mitteilenswert schien, werde ich nicht entschlüsseln können. Aber mein Hirn hat nach Interpretation gekramt und die Erkenntnis gefunden, dass nichts selbstverständlich ist und man die kleinen Glücksmomente begrüßen sollte. Ja, freilich, ich hör das gesamte Lesertum ächzen. Jetzt haut uns der Krause durchgenudeltes Kalenderblabla um die Ohren, von „der Freud an den kleinen Dingen“, statt dass er von seinem neuen Roman erzählt. Danke dafür.

Vielleicht ist dem Alten nur die Karre kaputt gegangen, oder aber er frickelt sich grad sein eigenes Gaga-Universum zusammen, you never know. Ein wenig Mysterium schadet nie.

Aber zu verschnaufen und über was „Freuenswertes“ zu sinnieren, scheint mir trotzdem nicht das Verkehrteste.
Ein beispielhafter „menschelnder“ Eindruck bleibt nicht aus, wenn man mit offenen Augen und Ohren umherstrolcht. In jedwedem Biergarten bekommst du, neben süffigem Kaltgetränk, das Gedankenmenü vom Nachbartisch gratis serviert, eine Variante von „den Leuten aufs Maul gschaut.“ Und wenns Bier gescheit fließt, brauchst du das Lippenlesen nicht beherrschen.

Kleine Auswahl gefällig: „Ich bin sicher, dass Jesus gelebt hat.“ – „Der Mohnkuchen hat sich in Bayern nicht wirklich durchgesetzt.“ – „Schwäne sind gar nicht monogam.“ – „Vegetarische Fischstäbchen schmecken wirklich wie Fisch.“

Alles diskussionswürdig. Den Kabeljau wird’s erleichtern, beim Mohnkuchen würd ich ein Fragezeichen setzen, und Monogamie ist bei jeglicher Daseinsform brüchiges Eis, es sei denn, Du fristest im Tierpark Dein zweisames Dasein.

Nein, nix um tief zu schürfen oder sich zu verfangen im existenziellen Netz (abgesehen von Jesus), und beruhigend ist das Unspektakuläre, so wie es ist, find ich.

Ein kühles Bier oder leckerer Mohnkuchen, ein fesselndes Buch, Sonne auf dem Bauch, ein monogamisch-körperlicher Event – da braucht man sich nichts scheißen um Kalenderweisheiten oder wie oft sich die Leute „carpe diem“ oder „lebe deinen Traum“ in die Haut stechen lassen. Sei es drum. Was am Ende rauskommt, ist ein Stückerl Genuss und a bisserl Gedankenlosigkeit zum Einpacken.

Freilich scheint der Planet es wieder und wieder darauf anzulegen, alles, was ihn behaust, im Genick zu packen und durchzubeuteln wie der Fuchs das paralysierte Karnickel. Beim Ausblick auf das traurige monströse Ganze könntest Du Dir die Fingernägel abknabbern, rot sehen, die Fäuste ballen und losdreschen – manche brauchen allerdings nur eine Massage gegen die Verspannung durch exzessives Schulterzucken (wobei ich eine gescheite Massage ja zu den kleinen Dingen zähle, die ganz großes Kino sein können).

© Roland Krause

Und falls Du Bücher schreibst oder dich sonst wie künstlerisch auslebst, kannst Du unversehens über die Frage stolpern: „wozu?“
Ich bin mir sicher, dass ich nicht, wie es Franz Kafka eingefordert hat, Romane schreibe, die wie eine Axt das Hirn spalten – lass mich aber gern vom Gegenteil überzeugen (mit messerscharfen Zeilen kenn ich mich aus).

Aber ob „Herr der Ringe“, „Conny auf dem Reiterhof“ oder „Die Blechtrommel“, ob Ravel, Stubenmusi oder Metallica, da maß ich mir kein Urteil an, denn wenn es einen Klebstoff gibt, der die Leut verbinden kann, besteht der aus dem, was man unter Kultur subsumieren mag.
Falls wer anmerkt, ich hätte heut wohl meinen naiven Tag, das geht okay – aber das Singen, Tanzen, Zeichnen und Geschichten erzählen findest Du rund um den Globus, und ich bin verdammt froh darüber, dass das nicht auszulöschen sein wird, weil es uns ausmacht, uns berührt und heilsam ist. Ganz einfach. Und tatsächlich feier ich all die Leut, die sich zusammen in das Abenteuer stürzen und sich von Klängen, Bildern und Wörterkunst einfangen lassen, egal ob sie von ihnen fabriziert oder genossen werden. Und das Menschliche braucht oft gar nicht so großspurig daherkommen, denk ich mal. Manchmal reicht vielleicht ein Lied, eine Streichelei oder ein gutes Mohnkuchenrezept für einen entspannten Moment.

Von meinem nagelneuen Roman „Garmischer Mordstage“ werde ich das nächste Mal erzählen, wer allerdings gern rezensiert und / oder in die Welt hinaus bloggt, kann mich oder den Verlag gern anschreiben, wenn er schon jetzt ein Roland Krause Werk haben will. Würd mich richtig freuen.

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Auf ein hirnhaftes neues Jahr!

Welche fundamentalen Gedanken formulierst du am Jahresanfang, Krause?
Ach was – das mit den Gedanken ist relativ. Relativ einfach.
Unlängst habe ich über die Entwicklung von Minigehirnen gelesen, der heißeste Shit in der Forschung. Weltweit plantschen die in den Petrischalen. Zum Beispiel sollen sie mittels Neuronen samt elektrischen Impulsen und „frag mich nicht“ in der Lage sein, am Computer „Pong“ zu spielen. Sapperlott. Ich vermute, die Hälfte der mit Hirnen gängiger Größe ausgestatteten Homo Sapiens wird aus diversen Gründen nie in der Lage sein, Pong zu spielen. Von daher Respekt allen Beteiligten.


Natürlich dient die Neuronen-Hexerei der wissenschaftlichen Erforschung hirnorganischer Prozesse. Wobei – ich bin mir nicht sicher, ob pure, unverfälschte Gripsmasse die Menschheit irgendwann mal entscheidend vorangebracht hätte. Meist waren da Sex, Drogen, Verdauungsprobleme oder Hormonüberschuß mit im Spiel.
Aber bei dem ganzen Bohei um künstliche Intelligenz, die Minibrains eröffnen spannende Möglichkeiten. Nimm Gustav Meyrinks „Golem“ oder das Leidener Männlein von Walther Moers, vielleicht wäre das zukunftsweisend. Helferlein ala Minions sind ja schon seit uralter Zeit eine Menschheitsfantasie. Denk nur an all die Sagen über Wichtel und Heinzelmännchen.
Klar gibts Menschen, bei denen jede neue App eine Climax hervorruft, und die Algorithmen entscheiden lassen, wer unter ihre Bettdecke schlüpfen darf.
Aber genau betrachtet wären viele Leut wahrscheinlich damit zufrieden, störungsfrei kommunizieren zu können (ohne dass ein Scheißakku querschießt), wenn jemand ihnen die Wäsche machte und die Wohnung ordentlich rausfeudelt. DAS würde das Leben – und das Gewissen – erleichtern. Und danach zur Entspannung gemeinsam eine Runde Pong.

Vom Blick weit in die Zukunft mal aprupt herangezoomt:

Im April wird mein neuer Roman erscheinen:

Demnächst werd ich mehr davon berichten. Bis dato nur soviel: Ich lehn mich aus dem Fenster und behaupte, der oder die geneigte Leser*in wird höllisches Vergnügen daran haben, zumindest war das Schreiben ein maximaler Spaß. Und zum laut Weitersagen (Achtung Werbung): „Vorbestellen kann man das Buch bereits!“
Mein Dank gilt dabei dem Emons Verlag, der „dem Krause“ die Möglichkeit gegeben hat einen vogelwilden, gegen den Strich gebürsteten Roman wie „ein abgezockter Sauhund“ unter die Leute zu bringen, und mir Vertrauen schenkt. Nix, was selbstverständlich ist, in schrägen Zeiten, in denen alles Kulturelle am Stock geht.


Womit ich beinahe in der Gegenwart angekommen bin:
Was mich tierisch gefreut hat, war die positive Resonanz und Vibrations der Leut, die sich an meinen Büchern begeistern, und ich wünsch Allen und jedem Wesen von Herzen, dass es im neuen Jahr den Oxytocinspiegel hoch halten kann – kuscheln halt. Bester Vorsatz ever. Weil – letzten Endes ist etwas Lebendiges allerweil prickelnder als eine App, egal wieviel das Hirnstüberl hergibt…

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Im Zeichen des Kasperls (Stories für Kids)

Es gibt nicht wenige Leut die feuern justamente aus allen social media Rohren. Davor hab ich großen Respekt, wenn Knall&Rauch dem Homo Sapiens zur erweiterten Erleuchtung respektive dem Entertainment dienen mögen. Beinahe besser wie nix.

© Roland Krause


Mir hockt ja konstant die Selbstreflexion auf der Schulter, gleich einem Poltergeist, umkrallt mit knochigen Klauen meinen Nacken und knurrt mir die Frage ins Ohr: „Braucht es gerade von dir auch noch ein gepimptes Verbal-Selfie?“
Okay – was ich mitteilen möcht, kann man in meinen Stories lesen, wenn man mag. Alljenen die 2020 das Couching (oder jeden anderen komoden Platz) genützt haben, um eins meiner Werke zu verschlingen, ein herzliches „Merci beaucoup!“

Als Allzeitmotto fürs Jahr, auch wenn es schon ein paar Tage alt ist – ob maskiert oder nicht – gilt eh wie immer: Mal bist du Hero in deinem Kino, mal der Narr, Hauptsache es hält sich die Waage.
Und um bei der Neujahrs-Floskelei so richtig mitzumischen: „Hinten kackt die Ente.“
So wünsch ich fürs angebrochene Jahr, dass sie am Ende desselben, für euch einen gülden-glänzenden, extragroßen Haufen an aufregenden, prickelnden Begegnungen und erfolgreich bestandenen Abenteuern gesetzt hat.

Und weil reale Performance gerade nur als schicke Fantasie erscheint, ich aber meine Lesemanie füttern will, hab ich auf Soundcloud drei Stories eingestellt. Es ist schon eine ganze Weile her, dass ich sie aufgeschrieben habe, aber ich dachte mir – das wär jetzt schickes Timing, sie zu erzählen. Gedacht für zarte Kinderohren. Es sind altbekannte Märchenfiguren dabei, allerdings sind es keine altbekannten Abenteuer. Spannende, niegelnagelneue Geschichten für langweilige Momente, nachdem nicht einmal mehr das Kasperle sich in seinem Theater austoben darf. Für Kasper- und Kindereien schauts ja gerade mau&mager aus. Hier die Links:

Der Wildschweinkrieg

Der gruselige Gruselalp

Der König im Blumentopf

Viel Spaß damit! Ich vertrau darauf, dass es in absehbarer Zeit wieder Sahne aufs Törtchen gibt, das heißt live & leibhaftiges Geschichtenerzählen mit allem Tralala und gefüllten Weingläsern.

In diesem Sinne: Hypt, feiert und gönnt euch Kultur, wo immer ihr ein Tröpfchen davon auswringen könnt, gegen den Durst nach Staunen und Erleben, inmitten dieser bröckelnden Unzeitruinen! (ja, ich hab mir einen kräftigen Schluck aus der Pathos-Pulle gegönnt)

Ich wünsch allen Wesen ein fulminantes 2021!

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Der ungeschminkte Sauhund

Die Werbetrommel war ja einstmals berüchtigtes Schlaginstrument, wenn es galt Landsknechte zum uniformierten Totentanz zu animieren. Dass ich sie rühre, hat natürlich einen weniger martialischen Grund – und heut scheint mir ein guter Tag dafür. So gut wie jeder andere.

Der Autor (Quelle)

Aber – weil bei jeder meiner Neuerscheinungen das Mantra auftaucht, über den Krause erfährt man zu wenig, fang ich diesmal ganz persönlich, quasi intim, an.
(Wobei in meinem Schädel die Frage herumgeistert, in welcher Korrelation zum Beispiel mein Beziehungsstatus, Lieblingsessen oder Haustierbestand zu meinen Büchern stehen mag.)

Um mehr von, und über mich zu wissen, böte sich – ganz oldschool – eine Unterhaltung an. Ich bemühe mich sogar Emails nicht zu sehr zu vernachlässigen.

Sei es drum. Es ist der Moment gekommen, eine Prise entblößten Lebens in den Blog zu streuen:
Gestern, früh des Morgens spazierte ich an der Isar entlang, ließ meinen Blick über den Strom gleiten und hatte gleich die Zeile eines Kofelgschroa Songs im Kopf:

„Koana braucht dafür was doa, abwärts gehts von ganz aloa.“

Aktuell beschleicht mich das Gefühl, das gilt nicht nur fürs Flusswasser, sondern geht als Partymotto für den globalen Ringelpiez durch.

Nach der erquickenden Wanderung hat es mich in die Innenstadt verschlagen, zwecks Büchererwerb. (Titel verrat ich nicht – wird ein Wein8sgeschenk)
Für München City ist es, glaub ich, mittlerweile so geplant, dass du nicht einmal mehr dich selbst treffen darfst, es sei denn du hältst ausreichend Abstand – deshalb rasieren sich vielleicht immer weniger.

Aber – bei all der schicken und schicklichen Maskerade – es war mir ein Fest, zu bemerken, dass es Buchhandlungen gibt, in denen der abgezockte Sauhund mit einer persönlichen Händler-Empfehlung versehen wurde. Yes!
Und firstclass fand ich beispielsweise auch die Buchbesprechung des Bayrischen Rundfunks à la „Samson unchainend“. Eine kleine Auswahl der Rezensionen zum Sauhund gibts hier zu konsumieren:

querblattLiteraturkritikWas liest duIn MünchenNZ-online

Was mir gewaltig die Laune verhagelt ist der Umstand, dass ich nicht lesenderweise unter die Leut kommen kann. Das ist so verdammt schade – und dass ich es nachholen werde, steht außer Frage. Weil das etwas ist, dass mir und bis dato auch den Zuhörer*innen jede Menge Spaß verschafft hat. Wenn du die Geschichte nicht erzählen kannst, ist das nur das halbe Vergnügen.
Es ist natürlich nur ein Gimmick, aber wer ein paar Minuten meiner lesenden Stimme lauschen mag, dem sei folgender Youtube-Film empfohlen:

Roland Krause liest aus „Ein abgezockter Sauhund


So, um die Homestory abzurunden, gerade wandern meine Finger über die Tastatur eines betagten Apple Powerbooks – ich glaub aus der Jahrhundertwende – weil ich alle „Roh-Skripte“ auf diesem Teil entwerfe. Die Haptik der Tastatur ist unschlagbar. Da fühlt sich das Er-tasten perfekt an. Nicht, dass ich neue Technik anfeinde, aber wieso, zum Teufel, kriegen die heutzutage nix mehr fingerschmeichelnd hin?

Mit dieser, im Kern philosophischen Frage schließ ich die Werbeeinblendung – oder blende mich aus? Lesehungrige dürfen es gern als Motivationshilfe betrachten einen Buchladen heimzusuchen und als Inspiration, respektive Erleuchtungsquelle, beim Schlängeln durch die mäandernden Buchreihen.

(Ach ja – und das Bild ist ein „avatarisches“ topaktuelles Selbstporträt)

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Kriminelles Buchspektakel

„Es eröffnet sich zu dieser unserer Zeit, von welcher man glaubt, dass es die letzte sei“ (ich hab mir von Grimmelshausens „Simplicissimus „den Anfang ausgeborgt)
– dass die Leut mit Amusement und Entertainment ihr Dasein würzen sollten.

Soviel zum Einstieg und als Hinleitung zu meinem neuen Kriminalroman, der gerade aktuell im Emons Verlag erscheint. Hier ist er: (Klick aufs Bild für mehr)

978-3-7408-0947-8_3D_jpg.jpgWer mallorquinischem Roulette, Maskenball im Discounter, Stubenfliegen-watching und all dem hyperventilierenden Onlinespektakulum trotzt und ein Buch vorzieht, sollte in die Vollen gehen. Gerade werden unbändig viele spannende und mitreißende Romane veröffentlicht, und die Buchhändler/Innen haben die Arme und Tore weit auf und freuen sich darauf, die Literaturhungrigen zu verköstigen.

Für alle, deren Lesefutter spektakulär, schräg und zynisch gewürzt sein soll, könnte „Ein abgezockter Sauhund“ als Menue passen. Ein guter Roter dazu – et voila.
Veranstaltungen sind ja im Moment seltener als Alba-Trüffel,
wann und wo der Krause mit seinen Geschichten anzutreffen sein wird, schreib ich (hoffentlich) demnächst. Falls jemand eine Terrasse, mindestens zehn sympathische Menschen und einen passablen Rotwein aufweisen kann, komm ich gern lesenderweise vorbei. Bleibt festzustellen, das diese Kasperlzeiten zumindest keine Langeweile aufkommen lassen – auf die eine, andere oder leise Weise.
Bleibts gsund!

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Pizza im Kopf

pizzahead

Virus Logbuch, achtzehnter Tag:
Ein Film läuft vor meinem inneren Auge ab, als ich einen Blick auf meine verbrannte Fertigpizza werfe. Plötzlich offenbart sich mir die Welt. Ich kann es klar sehen. Sardellen, die das Artensterben repräsentieren, die Überfischung der Meere, verkohlte Peperoni wie umgestürzte, brandgerodete Regenwaldriesen, unsere grüne Lunge liegt danieder – und der verkrustete Käse, ein Abbild der Verschmutzung, die sich wie ein fleckig-gammliger Teppich über Mutter Erdes nackten Leib geworfen hat. Ja, ein letales System…
Mein Großvater kommt mir in den Sinn. Mit ihm hab ich meine erste Pizza gegessen, damals in Remscheid am Wipperufer. Ach nein, das war ja meine erste Currywurst. Pommes Schranke. Ich spür Tränen, die mir über die Wangen laufen. Wie sagt mein Großvater immer?

Okay, genug davon.
In alter Zeit hatten Tagebücher noch Schlösser und wurden unter dem Kopfkissen aufbewahrt oder in der Schublade vergraben. Nicht alles an alten Zeiten war sinnbefreit. Die Selbstbespiegelung fand im geheimen statt (oder meinetwegen bei der Psychoanalyse)
Die Zeiten von „Liebes Tagebuch“ sind definitiv Geschichte. Just wird das Innenleben hüllenlos an die digitale Pinwand geheftet, samt Selfie mit Wandergitarre auf dem blümchengemusterten Sofa.
Logisch, unser Hirnstüberl ist ja meist renovierungsbedürftig. Das bietet sich gerade an. Da eine Wand neu anpinseln, ein paar Möbel umstellen und wenns gröber ist, muss man dem Schimmel in den Ecken zuleibe rücken. Warum das allerdings alle Welt tangieren könnte, weiß nicht mal der Geier. (Ganz nebenbei: Wer will wirklich wissen, dass ich begeistert Shaun das Schaf geglotzt und wahnsinnig viel über Bisons und Moschusochsen gelernt habe, im Info-TV?)

Da fällt mir ein – Shaun ist perfekt, das Schaf kann ich wärmstens empfehlen. Da wird nicht gequatscht.
Show, dont tell. Die alte Autorenweisheit ist zum Schweigen gebracht worden, unter dem Lärm gockelnder Eigenreflektionen und den wortreichen Schilderungen des Nicht-Erlebten innerhalb der eigenen vier Wände. Das ist so verdammt trist.
Dabei gibt es Leut, die gerade unglaublich animierende, kreative Dinge auf die Beine stellen – lustige, traurige, bestaunenswerte und faszinierende Szenen, Texte, Bilder und vieles mehr entstehen lassen. Darin steckt Kraft, vielleicht auch Wut und die Gewissheit, sich nicht unterkriegen zu lassen von den coronarrischen Zeiten. (z.B. feier ich Bansky) Das hat was.

Und ja, Selbstbespiegelung kann spannend sein, in Kafkas Briefen, bei Bukowski, Klemperer, Hamlets Monologen oder beim wieder entdeckten eigenen Tagebuch auf dem Speicher.
Sonst fällt mir aber leider ad hoc kaum jemand ein, von dem ich eine innere Retrospektive oder noch schlimmer, eine Bilanz, lesen möchte. Auch wenn sie hübsch prosaisch daher käme – Sorry.

 

Noch was anderes, gänzlich ohne Überleitung aber mit Fanfaren:
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Großes Dankeschön an all die Leut die sich „Ardan und die Schrecken des raunenden Waldes“ fürs geneigte Ohr geholt haben. Das Vergnügen sei mit euch. Und um auf die FAQs zu reagieren, ja, es gibt das Hörbuch auf allen Plattformen (Spotify, Audible, what ever) und nein, ein „Ardanbuch“ plane ich nicht.

 

 

 

Zum Thema Buch kann ich allerdings einen visuellen Teaser raushauen:

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Demnächst mehr davon…

Passt auf euch auf, und am Schluss ein paar Jungschwäne  (Nein, keine Enten!  „Ente gut“ wär auch zu billig). Die flaumig-flauschigen Racker hab ich neulich am Bach abgelichtet und es war ein cooler Moment zu sehen, dass die Natur noch eine Menge vorhat oder so

Enten

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8 ½ Stunden für alle – Hörbuch

Eigentlich wollte ich davon erzählen, dass ich ein niegelnagelneues Hörbuch am Start habe, aber da gibt es – was die Schreiberei angeht – noch ein paar andere Dinge die mir sehr am Herzen liegen.

Die Buchhändler haben zusperren müssen und der Tandler aus Amazonien macht lieber in Scheißhauspapier Geschäfte. Vielleicht sollte man die Prosa demnächst direkt auf die Rollen drucken, damit sie unter die Leut kommt und am nächsten Tag pronto geliefert wird. Ja, das ist arg billig von einer beschissenen Sache zu reden. Der musste sein.
Was die kleinen Verlage und die Buchhändler/innen zu knabbern haben ist hartes Korn. Da wird sich manche/r die Füllungen ausbeißen.
Ich hoffe by the way, dass mein nächster Kriminalroman im Herbst erscheinen kann und wird, aber sicher ist nix mehr, wenn die Welt ausschaut, als wär sie Hieronymus Bosch von der Leinwand gesprungen.
Deswegen, falls jemand den festen Vorsatz hat Literatur zu erwerben, sollte Frau und Mann unbedingt bei den lokalen Buchhändlern schauen oder anklingeln, ob sie Büchlein verschicken. Es lohnt sich!

So nun aber:

„Ardan und die Schrecken des raunenden Waldes.“
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Es hat unglaublich Spaß bereitet, eine Fantasy Story voller schräger Gestalten und schauriger Kreaturen zu kreieren und einzulesen. Es ist gedacht für Kids ab Elf und alle Leut, welche die Fantasie noch nicht aus den Köpfen verbannt haben. Wer sich darauf einlassen will, wird mitfiebern ein Abenteuer erleben und kann der Langeweile zum Abschied zuwinken.
Produziert ist das Hörbuch in den Pein-Studios und das Cover hat mir: Katharina Netolitzky hingezaubert. Ich bin ein begeisterter Fan ihres Stils.

Wer in ungeduldiger Erwartung köchelt, kann aktuell die 8 ½ abenteuerlichen Stunden hier erwerben .

https://www.xinxii.com/ardan-und-die-schrecken-des-raunenden-waldes-502742

Hier eine kleine ohrschmeichelnde Hörprobe samt Soundtrack :

 

Demnächst natürlich auch auf den üblichen Portalen.
Wer es haptisch mag, muss bis zum Sommer auf die CD warten.

Selbstredend freut sich der Autor über Rückmeldungen, Rezensionen. Fragen, Anmerkungen und sämtlichen Firlefanz, der dem geneigten Hörer einfallen mag. Wem das Hörbuch gefällt, der darf liebend gerne die Verbreitung befördern.
Ich wünsch euch viel Vergnügen mit „Ardan und die Schrecken des raunenden Waldes“

Bleibts gsund!

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Münchner Impress-Ionen vom nackten Affen

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Quelle

„Ionen“ – das hab ich mir just angegoogelt – kommt ja aus dem Griechischen und bezieht sich auf gehen. Was ganz gut passt. Ich bin gern in der Stadt unterwegs, lass mich treiben und überraschen, bevorzugt nächtens, wenngleich es im Tageslicht auch unterhaltsam und verblüffend sein kann.
Neulich hat sich dabei ein Radler vor mir bekreuzigt. Einfach so. Es war wohl Lieferant irgendeiner Pizzaklitsche und mit rotem Firmen-Drahtesel unterwegs.
Als er mich gewahr wird, reißt er die Glubscher auf und schlägt das amtliche Kreuzzeichen.
Mag sein, dass ich gerade ein wenig düster dreingeschaut habe, und meine Seele mag gewiß voller dunkler Flecken sein, aber für den Antichristen gehalten zu werden, war eine neue Erfahrung. Vielleicht wars auch gegenteilig gemeint und er hielt mich für eine Erscheinung. Ich habs überprüft – keine Stigmata, kein Strahlenkranz, keine Flügel. Auch schade.
Alternativ könnte er mich mit einem Inkasso-Fingerbrecher verwechselt haben, dem er noch eine Schuld begleichen sollte. Gezahlt hat sie leider nix, die Memme, sich nur flott davongemacht.

In dieser Hinsicht ist die Stadt eindrucksvoll. Du bekommst jede Spielart menschlichen und unmenschlichen Verhaltens vorgesetzt, und brauchst dazu nicht getarnt, gegen die Windrichtung, tagelang hinter einem Busch ausharren, wie es Primatenkundler anderswo tun.

A pro Pos Primat. Wenn du kein Kreationist bist, hast du dich ja mit dem Gedanken angefreundet, dass der Affe ein entfernter Vetter ist (welchen Grades auch immer). Spannende Vergleiche hat der Zoologe Desmond Morris einst in seinen Bücherl „Der nackte Affe“ angestellt. Immer noch lesenwert.

(Das Bild links ist einem historischen Nachschlagewerk entnommen, in dem die Trennung zwischen Affe und Mensch nicht so genau genommen wurde)

Beobachtest du beispielsweise die geschickten haarigen Gesellen in Delhi oder Bangalore, stellst du dir schon die Frage, ob die Rhesusaffen nicht längst eine höhere Entwicklungsstufe erklommen haben. Das sind die wahren Überlebenskünstler der Stadt. Da knurrt keinem der Magen, die werden nicht entmietet, die stehen nie im Stau oder zerknautscht-schwitzend im Bus, brauchen kein Tinder um sich zu vergnügen und scheinen weder Burn – noch Bore out zu kennen. Und von Altersarmut oder Modediktat keine Spur. (So weit meine Beobachtungen diese Schlüsse zulassen)

Und wenn du dir an einer verkehrschaotischen Kreuzung in München die Füße in den Bauch stehst und die Blechbüchsen zähflüssig an dir vorbeistromen, scheint es so, als seien wir unseren undankbaren Bau-Molochen weit weniger gewachsen. Irgendwann einmal sind sie hochgezogen worden, damit die Leut komod leben können. Frommer Wunsch. Das haben wir scheinbar hinter uns gelassen.

Beschwingt über die Dächer kraxeln, beim Viktualienmarkt leckere Früchte mitgehen lassen, und sonst das Fell in der Sonne wärmen, wär doch nicht das Schlechteste. Läuse hin oder her, die zupft dir die Nachbarin mit Begeisterung zärtlich aus der Wolle. Vereinsamung ist jedenfalls kein Thema und Anbahnung scheint in jeglicher Hinsicht wenig komplex.

Was du in den angestrengten Mienen der Vorüberhastenden lesen kannst, ist oft eher Kampf denn High-Life. So, als wär man ständig im Überlebensmodus und einmal nicht aufgepasst – schwupps – die Stadt hat dich fertig gemacht, die Runde wieder mal gewonnen und tanzt auf.

Okay.  Ich hör schon die ersten murren, dann ab mit dir zurück in die Steinzeit.
Na ja, ist es undenkbar, Blinddarm OPs, Klospülung und Running Sushi zu bekommen, ohne einen Thermomix dazu, Computerviren, Fernbedienungen mit siebenundachtzig Funktionen, die keine Sau braucht und Straßen kurz vorm Infarkt? Fortschritt und Fortschritt sind halt zweierlei.
Sorry, kleiner Anflug von Naivität. Keine Sorge, ist nicht ansteckend.

Als Habitat ist München jedenfalls bestens für zwei und vierbeinige Viecher aller Art geeignet. Du findest massig Wildtiere, gefiedert und bepelzt, nicht nur in den Isarauen. (Von Hunden ganz zu schweigen, die werden eh die Stadt übernehmen, sobald sie sich in der Überzahl wähnen)
Es mag mich täuschen, aber  die Viecher wirken entspannter, als die menschlichen Mitbewohner, obwohl sie seltener eine Bierflasche zwischen den Pfoten haben.
Nichts desdo Trotz möcht ich mit keinem Eichhörnchen und keiner Ratz tauschen, obwohl es vielleicht gut täte, die Stadt wäre en Gros a bisserl bewohnbarer. Beschauliche oder spannende Flecken findest du trotzdem zuhauf, an denen du die Stadt genießen und inhalieren kannst und Exitement bietet sie auf jeden Fall in alle Richtungen, wenn du dich drauf einlassen magst.

Fort wir schreiten. Genug gelaufen.

Will man in der City kuschligen Kontakt zum Mitmenschen, ihn erschnuppern, spüren, sich an ihm reiben, quasi Haut an Haut, auf engstem Raum – klar, dann könnte man in einen angesagten Club oder zur Ü30, respektive Afterwork-Party – alternativ bietet sich ein Trip mit der U-Bahn an. Am besten zur Messezeit.
„Wenn wir an der Macht sind, dann werdets ihr schon sehng!“, hat letztlich ein Mitfünfziger in betagter Gewandung uns Mitreisenden mit erhobenem Zeigefinger in der U2 angekündigt. Wer „wir“ und „ihr“ spielen sollte/musste, war nicht ganz eindeutig. Das Artikulieren und der sichere Stand  haben ihm sichtlich Mühe bereitet.
Einheimische reagieren darauf meist stoisch. Jeder darf postulieren was er mag, solang er dir nicht an die Wäsche geht, gelebte Meinungsfreiheit in den öffentlichen Verkehrsmitteln.
„Möge die Macht mit dir sein“, hat ein zartes Stimmchen gefiept, vielleicht Obi-Wan Kenobi, jedenfalls ein ländlich Zugereister. Jeder native Städter wüsste, das es ein Fehler ist, solcherart miteilsame Gesellen durch Repliken zu ermuntern. Das kann zu einem regressiven Sprechdurchfall führen.

Mehr als ein „da werds schauen! Ihr könnts nur unser Geld einschieben!“, kam aber nicht zurück. Argumentativ dünnes Eis. Das wird ja immer denen vorgehalten, die eh auf Naht genäht sind und „unserer Geld“ nur anschauen, aber nicht anfassen dürfen.
„Ah geh, du Aff!“, rief schließlich eine ältere Dame neben ihm entnervt, allem äußerem Anschein nach wohlsituiert und verschwenderisch mit „unserem Geld“ ausgestattet.

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Da schließt sich der Kreis. Nein, das war eine Fehleinschätzung. Ein Affe war das definitiv nicht. Eher einer von denjenigen Gestalten, die gern als abgehängt bezeichnet werden, von der Stadt und dem Dasein durchgekaut und ausgespuckt. Keine Macht würde das je für ihn verändern, wurscht wer was zu sagen, respektive zu befehlen hätte. Da wär ich pessimistisch, es sei denn, eine höhere Instanz mischt mit, falls der Mann einem Glauben anhinge, der postmortal Gewinn abwirft.
Quelle

Resümierend betrachtet: So etwas würde einem „Aff“ mit der Stadt nicht passieren. Den könntest du daran erkennen, dass er sich nicht (r)unterkriegen lässt, hoch oben über den Dächern.

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…was es über Sex zu schreiben gibt…

„Seine feingliedrigen Finger berührten ihre (…), es durchzuckte sie wie ein Blitz.“
Fortsetzung gefällig? Wer jemals von einem Blitz „durchzuckt“, alternativ „durchfahren“ wurde, der hat meist zwei Brandlöcher in den Schuhsohlen oder wird von den biegsamen Häärchen eines Besens berührt, mittels dem eine arme Haut das Aschehäufchen zusammenkehren muss. Aber das nur nebenbei. Gelesen hab ich das vor kurzem, nebst der ganzen Litanei aus „wild klopfendem Herzen“ und „heißem Schauer.“ Die Buchempfehlung lass ich da mal beiseite.

Fgreenleischliche Begierden sind ein rutschiges Pflaster. Literarisch betrachtet liegt man schneller auf der Nase, denn zwischen seidigen Laken.
(Das Adjektiv „schlüpfrig“ sollte generell ein No-go sein, wenn es nicht um Seife geht)
Mal kommt der erotische Erguss banal daher und ist gespickt mit Geselchtem von der Fleischtheke samt fettigen Floskeln, mal vorhersehbar, als gynäkologisches Bulletin oder so, als würden die Protagonisten in vertikaler Stellung ihre Steuererklärung beackern.
Was im wahren Leben berauschendes Vergnügen ist, kann für den duldsamen Leser Bestrafung und Pein bedeuten.

Lies das und leide!
Selbst jene, deren geschundene Haut sich nach Buße sehnt, schämen sich fremd, wenn beim Soft-SM-Epos die Baumarktutensilien hervorgekramt werden. Anregende Fantasie? Lass stecken Karl-Heinz. Dein Weibchen träumt sicher nicht davon, dass du die Kabelbindernummer im Doppelbett mit der Biberbettwäsche durchexerzierst. Es sei denn, du mutierst zum Millionär mit Waschbrettbauch.
Zustimmender Kommentar: „Oh bitte, ja!“, seufzte Laura erregt.
Dass „drastisch“ einhergehen kann mit drastischer Langeweile wird jeder/jede bestätigen, die/der sich in diesem Zusammenhang mal durch einen Monolog über Hämhorrieden gearbeitet hat oder den Wetterbericht nächtlicher Leibesverrenkungen: Hitzewellen, Blitze, Lawinen, Stürme, Brisen, Wellen, Fluten und Schauer, die abwechselnd verglühen, zum Erzittern bringen, schmelzen, hinweg reißen und erbeben lassen. Liest sich, als fände Hieronymus Boschs Armageddon ins Schlafzimmer statt.
Solcherart „ungeschminkte“ Werke werden ja gern als tabulos etikettiert, obwohl bereits etruskische Fresken prickelnderes zu bieten hatten. (Wer die Gelegenheit hat, sollte die studieren – hat was)

Aber – und dieses ABER ist ein Fettes, es gab und gibt Autoren, die in der Lage sind die fleischliche Vereinigung so facettenreich ablaufen zu lassen, dass beim Leser das Gähnen unterbleibt. Entscheidend scheint die Mischung an Beiläufigkeit, Überraschung und Glaubwürdigkeit, gepaart mit spielerisch-ausufernder Kreativität zu sein.

Zwecks geistigen Erbauung gibts exemplarisch meine kleine subjektive Auswahl aus alledem, was zwischen Buchdeckel passt und dem Krause gerade in den Sinn kommt. Bei diesen Autoren scheinen Lust und Begehren in der Story kein Selbstzweck zu sein und sie kommen, lässig eingebettet in eine solide Handlung, nicht billig und abgegriffen daher. Das mag das Geheimnis zu sein. Kein Hexenwerk. Das happy Ending ist dabei aber nicht garantiert.

Philip Roth („Sabbaths Theater, Das sterbende Tier“)
Philip Roths Texte sind – für mich – einmalig. Er schaffte es, Begehren und Gelüste bildhaft überzeugend und ohne Pathos in Worte zu kleiden – schonungslos, und doch mit Witz. Er legt sie bloß, wie ein Archäologe die Geheimnisse alter Zeit. Mal Hacke und Schaufel, mal feinster Pinsel.

Hubert Selby („Der Dämon, Letzte Ausfahrt Brooklyn“)
Selby inszeniert atmosphärisch stringente, rohe Settings. Man inhaliert die ganze krude und gefährliche Mixtur, welche die blanken Existenzen seiner Protagonisten ausschwitzen und auskeuchen. Er seziert sie gnadenlos. Die geballte Ladung Hoffnungslosigkeit sollte man jedoch aushalten wollen.

Nicholson Baker (Die Fermate, Haus der Löcher)
Treffend in Szene gesetzte lustbestimmte Momente in originellen, schrägen Geschichten. Schwülstigkeit und Trallala findet sich woanders. Wer sich drauf einlässt, kann sich bestens amüsieren.

Charles Bukowski (Kaputt in der City, Flinke Killer)
Neben Poesie, Essays und jeder Menge Working-Class Geschichten, viel Rein und Raus. Was sonst ist zu bekommen, wenn dir nichts bleibt als Überlebenskampf, Verzweiflung und Suff? Derb und billig, roh und schlicht – wie die Gestalten, um die sich seine Erzählungen ranken. Eingleisig manchmal. Authentisch immer.
(Mit „Bring me your love“ ist einst eine Story erschienen, mit Zeichnungen von Mr. Crump, auch Janosch und M. Schultheiss haben illustriert für „the dirty old man“).

Paul Theroux (Hotel Honolulu, Der Fremde im Palazzo d’Oro)
Ein Beispiel, dass es keiner gekünstelten Szenerie oder Manege bedarf, um den Handelnden das angedeihen zu lassen, was schlicht zu ihrem Dasein gehört. Ein passabler F… dann und wann. Lakonisch zwar und doch scharf- und hintersinnig.

Jacques Chessex (Der Schädel des Marquis de Sade)
Nur die Harten kommen in den Garten.
Derb, sprachgewaltig, schräg und kräftig morbid. Wer nicht zurückscheut, wird unterhalten.

Noch ein Wort zum berüchtigten Marquis: Geschichten wie „die 120 Tage von Sodom“ zu lesen, kann erhellend sein, falls jemand die passende Grundstimmung mitbringt. Einfallsreich war er auf seine Art, schockierend heutzutage kaum mehr. Ermüdend mit Tendenz zu Wiederholungsschleifen. Meist sind die „literarischen“ Erwartungen seiner Leser an die Texte zu hoch. Kurzweiligere Unterhaltung zum „Subject“ böte da „die Geschichte der O“ von Anne Cécile Desclos.

Elfriede Jelinek (Die Klavierspielerin, Lust)
Lese und lerne E. L. James! Wobei die Leserkreise wohl nur eine begrenzte Schnittmenge haben. Jelinek kann dich in ihren Bann ziehen.

Haruki Murakami (Südlich der Grenze, westlich der Sonne)
Eintauchen und gefangen werden. Die Welt von Murakami ist eine eigene, mystisch sinnliche. Überfliegen funktioniert nicht und das ist gut so.

Alfred Döblin (Berlin Alexanderplatz)
Nein – kein erotisches Feuerwerk, das „Fleischliche“ wird beiläufig erwähnt, wie Fressen und Saufen, es wird gemunkelt, getuschelt und angedeutet, so unverfälscht, dass du dem Protagonisten unter die Haut schlüpfst. By the way, Döblin ist einer meiner literarischen Helden, sodass er hier nicht fehlen darf. Einfach mal so.

Henry Miller (Opus pistorum, Wendekreis des Krebses)
Muss man nicht viel sagen, hat diesen manisch erzählerischen Drive, der einen fesselt, auch wenn es die Kiste manchmal aus der Kurve haut. Seine Partnerin Anäis Nin hat mit „Das Delta der Venus“ und „Verborgene Früchte“ erotische Erzählungen veröffentlicht, die zu Klassiker gezählt werden – kann man mögen, muss man nicht. Kategorie: „Salz auf unserer Haut.“

Francais Villon (Das große und das kleine Testament, Balladen und lasterhafte Lieder)
Was mach der denn hier? Man könnte ihn den Bukowski des Spätmittelalters nennen. Der Mann lebte das, was er schrieb. Er fand seinen Stoff auf den Märkten, in den Spelunken in finsteren Gassen und Gossen, dort wo auch er zuhause war. Und das fleischliche findet seinen Platz, musste seinen Platz finden. Laster? Vielleicht.
By the way, kleiner narzisstischer Einschub: Mein Erzählband trägt den Titel „Hurenballade“ als Reminiszenz an ihn. Weil es auch Stories über die Leut auf der schrägen Seite sind, auf die sich Villon verdammt gut verstand. Die Lust war im Mittelalter nicht anders unterwegs und der Mann hatte es drauf, sie zu schildern. Ich schätze ihn sehr.

Und wer findet, dass generell zu viel Blabla um die Sache gemacht wird, für den wäre folgendes eine Option:

Horst Haack (Nathalie)
Eine Beschreibung gestaltet sich vertrackt. Nennen wir es textbegleitete Illustrationen oder schlicht Kunst. Skurril, abgefahren, voller Fantasie und staunenswert zeichnerisch umgesetzer Assoziationen. Vielleicht sind es Träume, bzw. das Ergebnis von LSD Rausch oder Jahrzehnte langer Psychoanalyse, who knows. Jedenfalls menschliche Körper oder exponierte Einzelheiten, abgefahrene Texte, so wie sie noch nie ver-staltet worden sind. Betrachtens- und lesenswert für experimentell angehauchte Gemüter, deren Hirnschmalz gern auf Reisen geht.

Tomi Ungerer (Erotoscope, The Party)
…und noch einmal Bilder die Geschichten erzählen, vom Altmeister. Radikal und mit Hang zum Obszönen, Zynischen und Entlarvenden. So hätte das Ergebnis vielleicht auch aussehen können, falls Egon Schiele auf Wilhelm Busch getroffen wäre.

Tom Poulton (The secret art of an englisch gentleman).
Dicke Lippe, in Farbe, an Deutlichkeit mangelt es nicht, a bisserl überquellend und vordergründig, kein doppelter Boden. Hat zu Lebzeiten keiner von ihm gedacht…

 

Je nach Vorliebe ließen sich die Beispiele von sinnlich bis drastisch natürlich stapeln bis unters Dach. Aber falls wer selbst gern mit feingliedrigen oder sonst wie gestalteten Fingern in die Tastatur haut und Texte verfasst, respektive bebildert, könnte das eine Anregung sein, sich am Begehren zu probieren. Es kommt halt, wie im richtigen Leben auf das „Wie“ an. Wenn nix mehr hilft, kann man immer noch aus dem Fenster schauen und das Wetter beobachten. Vielleicht ballt sich grad was zusammen – stürmisch wird es werden, der erste Blitz zuckt schon. Wer weiß, wen er durchfährt.

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