Gute Nachrichten mit Schokoladeneis

 

Als die Sonne noch heruntergebrannt hatte, als möchte sie die Menschen zum Herbst hin gut durchbacken, durfte ich an der Kasse meines Lieblingsdiscounters Ohrenzeuge eines interessanten Zwiegesprächs werden.

Quengelnder Windelträger: „Ich will Eis!“
Geduldige Mutter: „Du wolltest doch Schokolade.“
Maximal quengelnder Windelträger: Ja, die auch!“
Pädagogisch-grenzsetzende Mutter: Entweder Eis oder Schokolade.“
Windelträger denkt lange nach: „…
Genervte Mutter: „Also Schokolade?“
Philosophischer Windelträger: „Schokoladeneis!“

Der Kurze ist auf jeden Fall zu Höherem berufen. Er vermochte seine Bedürfnisse erstens klar zu benennen und zweitens zielgerichtet auf die Realität zu übertragen.
Das lässt Hoffnung, dass da eine Generation heranwächst, die mit unseren weltumspannenden Dilemmata souverän umgehen wird – oder so ähnlich.

Das Katz oder Kater Prinzip ist ja nicht mehr up to date.
Wenn dich beispielsweise in der monogamen Beziehung die (psychischen) Fesseln quälen, beschließt du halt poliamourös zu sein.
Für Vegetarier gibt es vegane Bratwürste, für abstinente Suffköpfe alkoholfreies Bier, für Wiesnbesucher „Landhausmode“, und für die Leut, die das Gewissen plagt, wenn sie Ressurcen verprassen, gibt’s Ablasszahlungen mit Spendenquittung.

Dabei könnte ein ordentliches Dilemma auch spannend sein. Quasi eine kreative Herausforderung. Hopp oder topp oder doch was ganz anderes?
Gerade wenn du Bücher schreibst.
Die optimale, geschäftsankurbelnde Lösung wär es, wenn du einen englischen Zauberschüler kreierst, der die amerikanische Klischee-Variante von SM praktiziert. Das ganze spielt in einer beschaulichen Dorfkulisse, in der nebenbei ein grausiges Verbrechen passiert. Dazugemixt werden noch: diverse Schenkelklopfer, eine schöne Naive zwecks amouröser Verstrickung, sowie der Depp vom Dienst und ein düsteres Familiengeheimnis. So in etwa. Klassisches Schokoladeneis halt.
Wenn ich so darüber nachdenke, wäre das vielleicht ein Projekt für die Zukunft.

In der Gegenwart allerdings gibt’s von mir ein neues Buch, das im November herauskommen wird, oben genannte Ingredienzien nicht enthält (und kein Kriminalroman ist)
Meinem großartigen Verleger ist es zu danken, dass zwischen den Buchdeckeln keinerlei Kompromisse stecken müssen. Kein Dilemma – nur ganz oder gar nicht. Ich freu mich tierisch drauf und werde schon von den „Neuerscheinungswehen“ gepackt.
Der Countdown läuft. Noch vier Wochen. Stay tunend.

Und um all die netten Anfragen halbwegs zu beantworten, ob und wann der Hauptkommissar Sandner wieder loslegt – demnächst mehr darüber. Auch da gibt’s gute Neuigkeiten.
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Charles Bukowski hat einmal sinngemäß gesagt, vernünftige Autoren palavern nicht übers Schreiben – wo er recht hatte, hatte er recht.
Wenn ich es hiermit doch getan habe, bin ich entweder unvernünftig, ansonsten – Mea maxima culpa.

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Ohne viele Worte

UnbenanntErklärt sich von selbst:

https://www.savethearctic.org/
https://www.savethearctic.org/en/live/map-blog/highlights-video/

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Auf die Ohren – Hörspieltipps für Kids

fuchsKinder selbst aufziehen und halten ist nichts für Hasenherzen.

Anders als der Hundehalter, der sich ja seinen Kampfhund-Koloss zur Kompensation diverser Unzulänglichkeiten und möglicherweise mentaler Unpässlichkeit angeschafft hat, wird das Elter (gendermäßig bereinigter Begriff, singular) ja tagtäglich mit der Nase in die eigene Mankosuppe getaucht.
Ein Dilemma jagt das nächste. Da braucht es jede Menge Mut – Mut zur Schwäche.
Natürlich wissen wir alles besser – ausser den essentiellen Dingen, beispielsweise, wie „Clash of Clans“ funktioniert.
Natürlich ist man kein Spießer – ausser bei zerissenen Hosen beim Weihnachtsessen der Schwiegermama.
Natürlich versteht man Spass – aber nicht nach der Bettgehzeit.
Natürlich macht Autorität Sinn – aber selbstbewußt sollen die Kleinen sein, statt tumbe Befehlsempfänger (außer bei den Tischmanieren).
Natürlich ist Toleranz essentiell – aber doch nicht bei den verdammten Hausaufgaben.

Überhaupt Schule:
Sollte das brave Kind tatsächlich ausreichend vorbereitet sein, für den nächsten Tag – gerade in der sogenannten weiterführenden Schule, ein Ding der Unmöglichkeit – ist es entweder ein Cyborg, hat etwas vergessen oder routiniert geschwindelt – jedenfalls ist überraschend Zeit übrig geblieben. Natürlich ist die in ein gutes Buch zu investieren.
Die Rendite ist wichtig fürs Bildungskonto und die siebenundvierzig Winnetoubände seinerzeit hat Papa ja auch, mit roten Ohren verschlungen.
Fürs bibliophile Elternhaus ist der kindliche Protest wie ein Hieb mit der gerollten Bildzeitung.
„Langweilig“, gähnt der Sprößling ungerührt.

Eine gute Alternative – weil ohne Schnörkel, Staub und hohem Ermüdungsfaktor – sind Hörbücher und Hörspiele
Dass es darunter geniale Arrangements gibt, die selbst uns Erwachsene fesseln (oder das inneres Kind aus dem Schlaf reißen), soll meine kleine (subjektive) Auswahl belegen. Hier gibt’s was auf die Ohren:

images Der Hobbit Hörspiel nach J.R.R. Tolkien
Anders als der unsäglich dümmliche Kinodreiteiler kann das Hörspiel tatsächlich unterhalten und hat noch etwas mit Tolkiens Story zu tun. Und die ist einfach gut, so wie sie ist. Hobbits, Drachen, Zwerge, Gestaltwandler, Zauberer u.v.m. – eine perfekte Abenteuermischung.

61NK3063HAL._AA190_ Die Räuber vom Liang Shan Moor: Hörspiel Westdeutscher Rundfunk Köln 2003 Karlheinz Koinegg und Martin Zylka
Aufstand der Geknechteten gegen die ungerechte, dekadente Obrigkeit.
(Nein – das hat nichts mit dem Pegida- Firlefanz zu tun. Da heulen ja nur eine Handvoll notorisch unreflektierte Schuld-Deligierer mit ihrer „Das muss man doch mal sagen dürfen“ Litanei, den duldsamen Mond an. Aber das sollte man nicht so ernst nehmen – es wird an der Bundesliga-Winterpause liegen. Die Leut wissen nicht wohin, mit sich und ihrer Schuldfrage – es fehlt ihnen definitiv ein parteiischer Schiedsrichter)

Zurück zur Geschichte: Die ist witzig gestaltet, samt stimmiger Sprecher und atmosphärischer Musik. Die Protagonisten agieren bisweilen political incorrect und die Räuberbande liefert jede Menge Action, samt Schwertkämpfen und Gaunertricks. Das ganze im alten China – großer Spaß! (wird auch als pädagogisch fragwürdig kritisiert – vielleicht ist es deswegen so gut?)

preview300x300 Lerchenlicht Hörbuch von Philip Reeve und Rufus Beck
Eine Sternenreise, die es in sich hat. Hoher Gruselfaktor, Phantastik, Spannung, skurrile Wesen und eine Prise viktorianischer Steampunk ergeben eine Geschichte die packend und gefühlvoll erzählt wird. Kino für die Ohren.

2847_51TvR1g8XaL.SL500AA300_1318266609 Das Portal der Dämonen von John Connolly und Gerd Köster
Darfs ein wenig schauriger sein? Für kleine Menschen mit guten Nerven. Die Geschichte des unsagbar Bösen, dass sich endzeitlich auf der Erde breitmachen will, wird hier mit humoristischen Slapstick, coolen Geistern und einem jugendlichen Helden wieder willen, genial gespielt und erzählt. Und das Böse? Bekommt das, was es verdient.

34504539z Trix Solier, Zauberlehrling voller Fehl und Adel von Sergej Lukianenko und Stefan Kaminski
Ein Zauberer der neben Harry Potter besteht? Ja den gibt es. Trix Solier. Und sein Abenteuer vor der Kulisse aus tausend und einer Nacht ist so märchenhaft, so fantastisch, so ungewöhnlich, dass man es an einem Stück zu Ende hören will.

51Oces6iZlL-1 Angstmän: Ein panisches Kammerspiel für Kinder von Hartmut El Kurdi
Nein, er ist nicht Superman. Man könnte ihn einen Feigling nennen. Aber er hat Grund sich zu fürchten. Pöbelman ist auf der Suche nach ihm. Und er findet Angstmän aussgerechnet versteckt im Schrank eines kleinen Mädchens. Eine Geschichte über Furcht, Mobbing, Selbstbewußtsein, Macht, eigene Stärken und schliesslich von Freundschaft.
Kein pädagogischer Zeigefinger, keine billige Moral, einfach ein spannendes Hörspiel, jede Minute zum Lachen, zum Atem anhalten, zum Genießen.

P9783491241657_1-1 Die Reise nach Grönland 1: Im Land der Inuit von Jörn Riel und Boris Aljinovic
Wenn ein Wikingerjunge durch verschlungene Schicksalswege auf einen Inuitjungen trifft, kann daraus eine Freundschaft entstehen. Aber bis es dazu kommt, warten diverse Abenteuer auf die beiden.
Die Geschichte glänzt neben guten Ideen mit vielen authentischen Einzelheiten, die mitunter dem jungen Hörer einiges abverlangen. Das Leben im Eis ist nicht immer rosig und was auf den Tisch kommt, nicht immer Fisch.

61My6K2FYcL._SX258_BO1,204,203,200_ Die abenteuerliche Welt der Piraten von Volker Präkelt
…und ne Pulle voll Rum. Bestes Piratenhörbuch, dass ich kenne. Und die Piraten hören sich wie solche an und nicht wie der kreative Selbsterfahrungs-Schauspielkurs von der Volkshochschule.

Ym4xOTI3 Das Buch von allen Dingen: Ungekürzte Lesung von Guus Kuijer und Michael Sowa
Thomas ist ein rätselhafter Junge.
Er kann Dinge wahrnehmen, die andere nicht sehen können.
Seine Aufmerksmkeit und seine Phantasie sind einzigartig.
Aber in seinem Leben passieren auch Dinge denen er sich stellen muss – und er findet seinen Weg.
Einfühlsam erzählt und aussergewöhnlich umgesetzt.
Eine Geschichte auch vom Sieg über Vorurteile, Engstirnigkeit und Gewalt.

9783837306408 Gregor und die graue Prophezeiung: Szenische Lesung von Suzanne Collins und Joachim Knappe
Man kann die Bücher lesen und sich auf die Fortsetzung freuen. Man kann auch mit dem Hörbuch beginnen und die Neugier, auf immer mehr von Gregor, sollte den Sprößling nicht mehr loslassen.
Gregor, der Junge, der samt kleiner Schwester durch Zufall in der „Unterwelt“ landet, in der Ratten, Fledermäuse und Kakerlaken tragende Rollen haben. Und ja, man leidet mit ihnen und möchte danach am liebsten jedem Kammerjäger an den Kragen.
Weil es aber auch „unten“ nicht ohne Krieg, Herrschaft und den Kampf ums Überleben zugeht, muss Gregor mutig sein und schlau. Es wird ihm nicht leicht gemacht, heil wieder nach oben zu gelangen. Und selbst die schöne Prinzessin hat Ecken und Kanten.

…Fortsetzung folgt

Ich wünsche gute Unterhaltung, und ein Jahr 2015, dass ein üppiges Menue besonderer Momente kredenzt und natürlich literarische Highlights – besonders fürs Ohr.

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Impressionen einer Lesung

Zur „Bibliotheksnacht“ in Unterschleißheim war ich eingeladen, um aus „Der Tod kann warten“ zu lesen – und es war mir ein Fest.
Sympathische Leut, stimmungsvolles Ambiente, was willst du als Autor mehr?

Der zweitbeste Platz bei einer Lesung (besonders wenn es so verlockend dort ausschaut):
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Der prickelnde Moment davor…
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Die Lesung spielt sich im Blaulichtmilieu ab:
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Und noch das Bonusbild für alle Leut, die bereits „Wein8s-Vibrations“ verspüren:
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Wildsau ante portas

Die AZ hat unlängst getitelt, die Wildschweine würden sich vor der Stadt zusammenrotten. Tausende. München wäre quasi umzingelt von Schwarzkitteln. Und nicht nur dort, im ganzen Land – grunzendes, quieckendes, zähnefletschendes Armageddon. Der jüngste Tag trägt Fell.
Ja, es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis sie marodierend einfallen, mit Schaum vor dem Maul durch die Strassen preschen, und ihre mächtigen Hauer in alles schlagen, was sich ihnen in den Weg stellt.
Von wegen, die Natur gilt es zu schützen. Da bereust du jeden Cent der weihnachtsbetüdelten Greenpeace-Spende, wenn dich ein hunderfünfzig Kilo Eber durchs Gelände hetzt.
Wobei – nach Angaben der AZ stünden die tapferen Waidmänner bereits Gewehr bei Fuß. Bestimmt auch Tausende, mit dem Finger am Abzug. Keine Gnade, finale Rettungsschüsse für den Fortbestand der Zivilisation. Da lehnt sich der Leser beruhigt auf der Schweinsledercouch zurück. Wir sind auf der sicheren Seite, Verwechslung ausgeschlossen – aber bitte keine schwarzen Jacken und/oder struppige Bärte tragen oder sich auffallend benehmen, quasi säuisch.
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Das Gefühl von Schweinen umzingelt zu sein, ist ja ein altbekanntes. Die sommerliche Wanderung durch die Isarauen ist zum Beispiel wie ein Gang durch die Pinakothek der Moderne, falls man ein Faible für die manigfaltigen Installationen hat, welche sich kreativ mit Plastik, Alu und Glasscherben auseinandersetzen. Vielleicht ist das auch eine Reminiszenz an den Künstler Christo, der Versuch das Flussufer zu verpacken.
Desweiteren findest du gerade zur Wiesnzeit stadtweit Ansammlungen ledergewandeter Kreaturen, die auf allen Vieren fröhlich vor sich hin grunzen und sabbern. Auf eine Wildschweininvasion sind wir mental umfassend vorbereitet.
Und warum, zum Kuckuck, traut sich die Sau gerade jetzt aus Wald und Flur? Klarer Fall von Überbevölkerung.
Nein, ich predige nicht gegen die monotheistische Maisanbetung, auch wenn es suboptimal scheint, dass der geschätzte bayrische Landwirt auf den Feldern mehr zum Verheizen anbaut als zum Fressen. Das Schweinedilemma haben wir uns hergemästet. Und nun gilt: Natur strikes back.
Da beschleichen mich diverse Fantasien. Wildsäue, die an den Isarauen die schmutzenden Grillfleischfetischisten jagen oder Punkt zwölf quer über den Marienplatz durchs knipsende, schnatternde und filmende Gedränge galoppieren. Am Abend fressen sie brav die überquellenden Container der Discounter leer und schlafen in den U-Bahnhöfen, damit die Verkehrsbetriebe endlich eine plausible Erklärung für „Betriebsstörungen“ abliefern können.
Bei Aufmärschen jedweder Couleur solltest du, deiner körperlichen Unversehrtheit wegen, statt mit Flaschen und Steinen lieber mit Eicheln um dich werfen und dich in Toleranz gegenüber Rüsselträgern üben.
Und last not least kriegen die websüchtigen Kurzen hautnah mit, dass die Landschaft nicht nur von Viechern aus Mindcraftwürfeln bevölkert ist, die du per Mausklick zum Schnitzel transformieren kannst.
So eine Koexistenz mit dem Schwein wäre schon verlockend.
Man sollte die Sau reinlassen, um sie richtig rauslassen zu können.

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Lesen – Lauschen – Luchsen in Unterschleissheim

fuchsWer schon immer einmal wissen wollte, was die Bücher nachts so alles treiben in einer Bibliothek (vielleicht entblättern sie sich) sollte sich folgenden Termin nicht entgehen lassen:
25.10. 20.00 Uhr Bibliothek Unterschleissheim

Ich werde da sein und aus „Der Tod kann warten“ lesen.
Für Details: Lesung

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Danach darf der „Der Räuber“ von Benjamin Heisenberg sich cineastisch austoben
Eine spannende Samstagsmischung, ich freu mich drauf

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Chronistenwicht

Das Abtauchen ist geradezu ein mystischer Zustand. Den hab ich mir im Sommer gegönnt, wochenlang ohne elektronischen Firlefanz unterwegs – ohne Trick und doppelten Boden. Aber darüber schreib ich jetzt kein Wort.
Oder doch – vielleicht eine kleine Randnotiz: Falls es jemanden mal nach Jochsberg an der Altmühl verschlägt, sollte er unbedingt das Dunkle von der ortsansässigen Brauerei Reindler probieren – aber schon, während ich die Zeilen hinhau, merk ich, über den Geschmack eines Bieres zu psalmieren ist grober Unfug. Geradezu eine Frechheit, weil eins ist klar: Das muss man die Kehle hinunter laufen lassen, Dafür kann man keine Buchstaben gebrauchen – höchstens für das „Aaaa“ danach.
Aber auch wenn man ein Bier nur selbst erleben, bzw. er-trinken kann, wäre seine schriftliche Würdigung allerhöchstens eine reportierte Geschmacklosigkeit. Fürs Grobe gibt es ganz andere Kandidaten.
Es ist aberwitzig, wieviele vorgekaute (oder ausgespiene) Erlebnisse man kredenzt bekommt. Als wär man noch zu klein zum Selberfressen oder hätte keine Zähne mehr im Maul. Stellt sich die Frage, ob das den Horizont erweitert, oder der im schwarzen Loch verschwindet. Erstaunlich, was dir die Jetzt-Zeit-Zeugen um die Ohren hauen.

Da werden Bücher vom Schulalltag geschrieben, (war denn niemand selbst einst drin?) oder der Sozialarbeit daheim bei den bildungsfremden Unberührbaren (lustig), vom Besuch im Bordell, (immer wieder wahnsinnig neu), vom Dasein der Aufsteiger, Aussteiger, Arschgeiger, Aufschneider … die Litanei ist unvollständig.
Dokus vermitteln dir endlich, wie ein Suffkopp ausschaut, ein multiamoröser Bauer, ein Grillschürzendesigner, ein Schnitzel-Brater oder blankes Brustfleisch – am besten gemixt zum Cocktail mit Amarenakirsche.
Du kannst dich nicht mehr retten vor Erlebnisexhibitionisten jedweder Couleur. Das Sahnehäubchen ist die zur Schau gestellte Seriosität des kolportierenden Personals.
Den Wisnbesuch kannst du dieses Jahr canceln, weil eh rund um die Uhr gesendet wird, Highlights aus dem tönenden Schunkelzelt oder die Top-Ten der Triefäugigen aus dem Sanitäralltag.
Und wem das noch nicht reicht, der bekommt in Buchhandlungen stapelweise Betrachtungen aus dem Innenleben von Ich-Protagonisten. Nein, Handlung ist unwichtig, sondern es reicht, den eigenen pseudohintergründigen „Seinsprozess“ dem Leser mittels aufwühlenden Standart-Metaphern ins Hirn zu ballern. „Lies, wie ich mich fühle!“
Dankschön auch, ich hab selbst noch einen veritablen Kater.

Da fragt man sich, woher dieser angebliche Hunger auf all die Chroniken des Nebensächlichen herkommt, der da gestillt werden soll. Na, wer hats erfunden?
In alter Zeit stand man auf Reiseberichte aus fernen Orten, die dem Normalsterblichen verwehrt blieben, bebildert mit all den monströsen Kreaturen, die da kreuchten und fleuchten oder sagenhaften Geschehnissen, Geheimnissen und Schätzen. Man träumte davon, selbst…
Letztenendes nicht weit weg von Youtube, wo du dir abendfüllend Monsterfische, Ufos, extrem lustige Gestalten und andere unerklärbare Phänomene reinziehen kannst.
Nein, keine Angst, jetzt komm nicht: Früher war alles besser.
Aber heut hast du es bedeutend schwerer mit dem Erleben. Das fängt schon damit an, dass du als smarter Achzehnjähriger in der U-Bahn deinem Beuteschema nicht mehr nett zulächeln kannst, weil das Madl die Glubscher partout auf ihrem Display läßt ,um zu erfahren, welcher Waschbrettbauch-Tralala in den Hotelpool gepinkelt hat. Abenteuer, ade.
Aber die Vorteile sollte man nicht verschweigen. Wenn dein Kumpel sich einen Vollrausch abholt, brauchst du nicht mehr den Teppich zu schrubben, bevor die Eltern aufschlagen, um live dabei zu sein. Es genügt, wenn er dir ein Selfie schickt, so er noch Feinmotorik im Programm hat.
Möglicherweise docken all diese konsumierbaren Second-Hand Erlebnisse irgendwo im Hirnstüberl an und vermitteln das Gefühl , quasi mitten drin zu stecken – da müsste man einen Neurologen befragen. Das wär dann wie die 3D Simulation einer Achterbahnfahrt – und zum Finale rückst du dein Frühstück wieder raus.
IMG_8995Jetzt wäre ein geschickten Übergang zur Fantasie fällig. Aber der ist schwer – beinahe unmöglich. weil sie in diesem Text keinen Platz hat, in mitten dieses ganzen banalen Wahrhaftigkeits-Sumpfes. Mühsam ist die Spinnerei obendrein. Vielleicht ist sie einfach bloß ein schwarzes Schaf, in der Gedankenherde, mit dem man sich nicht abgeben sollte. Schliesslich muss man sich darauf konzentrieren können, amtlich zu leben.
Aber wurscht, ich stell mir jetzt einfach vor, ich hätt ein Dunkles aus Jochsberg vor mir stehen mit einer Schaumkrone, die ein bischen ausschaut, wie eine zufriedene Schäfchenwolke. Und weil gerade kein Tisch in der Nähe ist, imaginier ich mir den am besten auf eine Sonnenterasse am Seeufer. Ja logisch, ist gutes Wetter. Nein – ein Selfie gibts nicht dazu.
Mag sein, eine glaubwürdige Fantasie ist immer noch spannender, als viele unnütze Wahrheiten vom wichtigen Chronisten.

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Kurzweilige Site zum Reinschmökern: querblatt.com

insbesondere die Buch-Charts haben es mir angetan 😉

Erstellt am von Roland Krause | Hinterlasse einen Kommentar

Auskeulende Gedanken

fuchs„Du kannst es nicht jedem/r recht machen.“
So hat schon meine Oma das Gemecker beantwortet, nachdem ich mir die Zunge an ihrer Nudelsuppe verbrannt hab. Wahrscheinlich geht der Spruch zurück bis zur grauen Vorzeit, zum Beispiel den Höhlenbewohnern von Lascaux. Vielleicht war das handgewerkte Mammut bereits Anlaß für Gemaule in Höhlenmenschkreisen. (von meinem Fuchs hier ganz zu schweigen)
Dazumals hattest du adäquate Möglichkeiten, falls jemand bemängelt hat, (nur weil du verschmäht hast, mit ihm ums Feuer zu tanzen), dir wär das Horn des Büffels viel zu mickrig geraten. Nachdem du dem Nörgler die Keule über den Schädel gezimmert hättest, könntest du das aufbeulende Ergebnis begutachten und fragen: „Etwa so groß?“

Es gibt Momente, da wünscht du dir ein archaisches Argument anbringen zu können. Selbstredend ethisch und moralisch absolut verwerflich, schliesslich ist die Menschheit um Lichtjahre weitergekommen – na ja ein paar Zentimeter werdens wohl sein, wenn man es genau nimmt – etwa so genau, wie der Kampfrichter beim Weitsprungwettbewerb.

Trotz alledem: Einmal nicht auf der Hut, schon schleicht sich der Kulturpessimist aus dem Kellerverließ: Den wahren, echten Kern des Menschen kannst du halt unter dem bunten Röckchen der Anonymität entdecken, sagt der und feixt sich eins. Wenn das hochgehoben wird – madre mia – das willst du nicht wirklich bei jedem/r sehen!
Man könnte es als Fortschritt definieren. Was man so im Kopf mit sich herumträgt, all die finsteren, fiesen Momente, schmerzenden Stacheln, die abgeschmetterte Sehnsucht, Blitz und Donner und Neid – das brauchst du nie mehr verbergen oder in dich hineinfressen, wie die Schwarzwälderkirsch.
Die hängenden Mundwinkel und in der Tasche geballten Fäuste sind nicht mehr nur dauerhaftes Menetekel. Ja – nur immer raus damit.
Von daher sicherlich ein Teil des gastroenterologischen Gesundheitsvorsorge. Magengeschwüre sind vorbei – wenn du sie dir nicht vom fettigen Burger einhandelst. Manch anonymes Traktat wird vom Doktor verordnet sein. „Lassens ordendlich die Sau raus, dann werdens mit ihrem Gedärm hundert Jahre alt.“
Das ist ja allerweil die Frage nach Ei und Henne – oder besser Spinne und Netz.
Wenn du ein Philosoph, Guru oder Frisör bist, wirst du Erkenntnisse haben.
Der Sache mit dem Karma sollte man ein „Like“ schenken. Weil – wie immer du es nennen magst, letztenendes wird das Lebensgeplänkel ein Ritt auf dem Boomerang sein. Das Karma kann dir ruckzuck jeder Seebär erläutern, solltest du auf seinem Pott gegen den Wind pinkeln. Wurscht , ob es deinen Namen weiß, dein schönes Gewand ist versaut.

Nur gelegentlich, wie erwähnt, gibt es Augenblicke, da gehts mit mir durch und ich fantasier mir eine handliche Keule herbei.
Aber Aug in Aug wäre ja bestimmt Enttäuschung pur – in jeder Beziehung. Hörst du ja immer wieder gruseliges, beispielsweise aus der Verkupplungscommunity.
Und bekommen die Augen etwas kredenzt, dass mit Sinn, Stil und Geist daherkommt oder ist der Bildschirm gar einen Augenblick später schwarz, sind sie eh nur vergessene Pfützen, die virtuellen Seifenblasen aus dem „Niemands“ -Land
Da schleicht sich mein Kulturpessimist ganz von allein wieder in sein Verließ und legt sich die Ketten freiwillig an.
Vielleicht, weil gerade die Sonne runterscheint oder ein netter Mensch vorbeischaut oder der Rioja im Glas schimmert – oder, oder, oder… eigentlich bräuchte man gar keinen Grund, und das ist verdammt gut so.

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Shortkrimi

Für jene, die sich bereits mit Lesefutter eindecken wollen,  um satt durch den Winter zu kommen, respektive ins neue Jahr zu starten (quasi Ameise statt Grille)Krimikalender

Ars Vivendi Krimikalender 2015

 

 

Ich durfte die Story: „Blutsbrüder“ beitragen.

Viel Vergnügen damit

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