Schwein haben

 

Frohes neues Jahr!

Wenn so ein überkommenes Jahr nächtens weggefeuert wird, hat man ja oft den Hang und Drang zu Bilanz oder Resümee. Soll oder Haben, auf oder ab, Katz oder Kater – haben sich die nagelneuen Fältchen wenigstens durch rechtschaffen ausschweifenden Lebenswandel eingekerbt, anstatt durch Mühsal und Trübsinn?
Wurscht.
Ist ja alles eine Frage der Perspektive. Statt staunend die brodelnde Welt zu beglotzen, kannst du dir auch ein Bild von Dali oder Bosch vornehmen, etwas Dadaismus von Hugo Ball reinziehen oder all night long Monty Python Filme schauen. Da steckt alles drin, was man braucht.
Nein – der Krause kommt jetzt nicht mit Fatalismus daher, kaum ist 2018 geschlüpft. Manch seniler Kasperl, der sich justamente an die Macht krallt, und das Feuer anschürt, rückt ja, biologisch betrachtet, Tag für Tag der Kompostierung näher. Und außer Asche und einem Wikipedia Eintrag wird da nix übrig bleiben. Wenn man mag, kann man deshalb jedes neue Jahr ein Feuerwerk in den Himmel zaubern.
Früher konnte man, mit etwas Schwein, eine Kariere als Pharao oder Wikinger anstreben. Heutzutage gibt’s ja nix mehr mitzunehmen ins Jenseits. Gold und Schwert werden eh überbewertet. Natürlich könntest du dir zumindest eine Pyramide hinstellen, für die Nachwelt. So einer markanten Hinterlassenschaft des persönlichen Daseins scheint ja eine grundlegende Sehnsucht zu Grunde zu liegen.
Vielleicht ist Instagram deswegen so sexy. Inwieweit Katzenfotos oder fleischbetonende Dessousbildchen zur Unsterblichkeit (zumindest im Netz) führen können, wär noch zu analysieren.
Da scheint mir ein Schreiner, der einen Stuhl zusammenhext, der hundert Jahre lang das beste Platzerl für den Arsch sein wird, eher an der Essenz zu kratzen. Denn das wiederum macht die gute alte Erde zu einem gemütlichen und spannenden Fleck. All die individuellen Dinge, die gerade jetzt hingebungsvoll und prallvoll mit Energie, gehämmert, geschmiedet, erdacht, getextet, gemalt und ausgetüftelt werden – das ist es worauf ich mich im neuen Jahr freu. Und ob dich die wahre Liebe packen wird oder du nur neue Kerben in deinen Colt schnitzen willst – who cares – das Jahr wird’s aufzeigen.
Und ich hab hoffentlich den Übergang gefunden vom melancholischen Blick auf die Endlichkeit, zu dem, was man sich so wünscht im Neuen, en general.
Also lasst euch nicht unterbuttern oder die Butter vom Brot nehmen. Ich glaub, es gibt 2018 viel zu genießen. Möge das Schwein mit euch sein.

 

 

Postskriptum:
By the way – Auf Youtube gibt es einen Zusammenschnitt des Münchner Krimitages vom Dezember: Krimitag 2017
(inkludiert sind meine – geschätzt – fünfeinhalb Sekunden „für die Ewigkeit.“)
Viel Spaß damit

Über Roland Krause

Autor aus München, Geschichtenerzähler Romane: "Der Sandner und die Ringgeister" Piper Verlag 2011 "Fuchsteufelswild" Piper Verlag 2012 "Der Tod kann warten" 2013 "Hurenballade - Stories" 2016
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